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Geschichten von wo die südlichste Wurstbude steht..

Wursbude in Südafrika
Zum ersten Mal an der südlichsten Wurstbunde stehen.
Am Hafen ein alter Mann, der für ein paar Geldstücke eine Robbe dressiert.
Zum ersten Mal im Schatten von Avocadobäumen sitzen.
Daneben Orangenpflücker, die ihre Ernte einsammeln.
Zum ersten Mal Südafrika.

Zum ersten Mal Pinguine in freier Natur erleben,
Die später mit uns den Garten teilen und uns an ihren Ritualen teilhaben lassen.
Zum ersten Mal von Pinguinen an der Hauseinfahrt erwartet werden.
Und weil sie wie heisere Esel klingen, nachts nur mit Ohropax schlafen können.
Zum ersten Mal Südafrika.

TafelbergKapstadtMutigLichtspielTafelbergHochmoorSpielereiKirstenboschSimons TownKap der guten HoffnungKraftKap der guten HoffnungVerbranntFeinbusch-WasserKlippschlieferWolkenspielWirLandschaftMusikiRoute Stellenbosch

Zum ersten Mal jungen Mädchen ohne Vorderzähne begegnen.
Deren Lachen entwaffnet, deren Traurigkeit uns Weiße sehr weiß fühlen lässt.
Zum ersten Mal im Linksverkehr auf der Autobahn zum Kap fahren.
Auf dem Standstreifen schwarze Fußgänger auf dem Weg in den Township.
Zum ersten Mal Südafrika.

Zum ersten Mal vom südlichsten Punkt Afrikas schauen.
Mit Nebel so dick, dass man die Hand vor Augen nicht sieht.
Zum ersten Mal vom Bett aus Sonnenaufgänge über dem Meer beobachten.
Und in die lichten Träume des Morgens einbauen.
Zum ersten Mal Südafrika.

StrandordnungAtlantikDüneErholungRadschlagAbgehätetFigurbetontFlußeltaQuallenWichtiges TelefonatPostkarteStrandgutGewitterwolkeZufriedenWurstbundeMeerespizzaAngebranntSchattenspielSchattenspiel2farbige Felsen

Zum ersten Mal entlang kilometerlanger weiße Strände spazieren,
Auf denen wir morgens die Ersten, mittags die Einzigen und abends die Letzten sind.
Zum ersten Mal Wellen erleben, die Fischerboote wie Laub im Wind tanzen lassen.
Deren Gischt die Panoramafenster unseres Hauses erblinden lässt.
Zum ersten Mal Südafrika.

Zum ersten Mal in die kapholländische Weinkultur eintauchen.
Picknickkorb und Nachmittagswein unter jahrhundertealten Bäumen.
Zum ersten Mal Linefisch direkt von der Angel genießen.
Bobotie aus Linsen, Kingklip mit Butternut, Malvenpudding als Dessert.
Zum ersten Mal Südafrika

Zum ersten Mal vor Teppichen aus 10.000 verschiedenen Pflanzenarten stehen.
Sattgrüne Gärten aus Gräsern, gefächerten Riesenfarnen, verwegenen Blüten.
Zum ersten Mal kilometerweit durch verbrannte Savannen wandern.
Hellgrün lugen erste Blättchen aus verkohlten Pflanzendecken hervor.
Zum ersten Mal Südafrika.

Weingut VergelegenWeingut BuitenverwachtingPhotosyntheseGenußZombie aus StanfordStanfordStellenboschBambuswaldVersteckiWasserspielWeingebiet SüdafrikaWelligBrillenpingusGemuscheltIn der KücheSchönBlickkontaktFrühstückVeganertreff

Linktipps:
Kapstadt
Kirstenbosch National Botanical Garden
Balduccis in Cape Town
Table Mountain National Park
Weingut Vergelegen
Weingut Buiteverwachting
Cafe Olympia in Kalk Bay
Kogelberg Nature Reserve
Hermanus
Harold Porter National Botanical Garden

bisher 4 Kommentare 13. Juni 2011

In die Berge nach Toggenburg

Toggenburg - Schweiz
Vom Bodensee fahren wir in die Schweizer Alpen. Nach nur 90 Minuten stehen wir mitten im Alpenzeller Käseland. Die Uhren, sie gehen hier langsamer. Anfahrtsskizze heißt hier “Wegbeschrieb”. Straßennamen gibt es nicht. Nach dem Wäldchen links abbiegen. Am Dorflädle vorbei. Vor dem Berg rechts. Unsere Bleibe liegt zwischen Wiesen und Feldern. Der Tagesablauf wird hier vom Vieh und vom Sonnenstand bestimmt. Und genau das ist es, was wir in Toggenburg gesucht hatten.

SchwyzerMuhChurfirstenMauerSchweizer KäseGardineHühotMüheBergpanorama

Uns zieht die Sonne raus aus den Federn. In die Berge, über Wiesen, Felder. Das Glockenkonzert ist allgegenwärtig. Wie Instrumente eines Orchesters sind die Kuhglocken einer Herde auf einander abgestimmt. An Almen und unzähligen Kuhherden vorbei. Kaum eine Menschenseele ist auf den Wanderwegen zu sehen. Picknick vor Weltkulisse. Ist das Leben hier in der Höhe nicht wunderbar? Wer hat eigentlich Städte erfunden?
Die Legende beantwortet unsere Fragen. Sie besagt, dass einst ein einsamer Riese am Säntis wohnte und sich ganz schrecklich langweilte. Jahrhundertelang erspähte er sehnsüchtig in weiter Ferne das geschäftige Treiben der Menschen am fernen Ufer des Bodensees. Und er beneidete seine Nachbarn, die Bodensee-Riesen, um dieses Vergnügen. Bis ihm schließlich die Idee kam, sich zu seinen Füßen eine eigene kleine Stadt zu errichten. So wäre er nicht länger einsam. Doch da seine Hände viel zu grob waren, um die kleinen Häuser, Möbel, Straßen und Ställe für die Menschen zu errichten, bat er die Heinzelmännlein aus dem Nachbartal um Hilfe. Und die Zwerge bastelten aus Leibeskräften drauf los. In einem großen Sack wollte er alles nach Hause transportieren, als er jedoch unterwegs bei einem Schritt über die Berggipfel mit dem Sack an einer Felskante hängen blieb. Durch das Loch wirbelten wie Schneeflocken die Häuslein, Straßen und Ställe durcheinander und verteilten sich über das gesamte Tal. Und da der erschrockene Riese sah, wie hübsch sich nach und nach alles in die Landschaft einfügte, verwarf er den ursprünglichen Plan auf eine eigene Stadt und beobachtete fortan das emsige Treiben der Talbewohner zu seinen Füßen. Nun war er nicht länger einsam und sitzt wohl noch heute am Säntis und schaut zufrieden auf sein Toggenburg.

AppenzellerinNebelNebelbankSchweizer SchottenSchweizer SchottenHüttliFarnwir

Links zum Text:
Toggenburg
Guter Wegbeschrieb unserer Wanderungen

bisher 1 Kommentar 13. September 2010

Erinnerung an die Provence

Provence
Deutschland im August. Es regnet aus Kannen. Der Sommer mit seiner Gluthitze scheint schon vorbei. Oder nur kurz im Urlaub? Urlaub? Urlaub! Die Gedanken kreisen, sich erinnernd, um den Frühlingsurlaub in der Provence:Provence ist gleich blühender Rhododendron rings um idyllische, kreisrunde Dörfer. Dörfer eng an die Berge geschmiegt. Geschmiegt auch die grau-gemusterten Katzen auf den Fensterbänken, sich aufheizend in der warmen Frühlingssonne. Frühlingssonne warm auf der Haut. Haut, die sich leicht gerötet unter der Sonnencreme versteckt. Versteckt unter saftig grünen Blättern Orangen und Zitronen, die duften wie Parfum. Parfum-Abgase oberhalb der Fabriken in und um die Parfum-Metropole Grasse mitten in den provencalischen Bergen. Berge, die wir besteigen, bestaunen, umfahren, erleben: jeden Tag zeigen sie ein anderes Gesicht. Gesichter der Bewohner, zeugend von frischer Luft, Boule-Partien auf der Place de la Poste, gesundem Essen, dem abendlichen Gläschen Rotwein. Rotwein aus der Provence umspült das köstliche Mahl im mit Michelin-Sternen ausgezeichneten Dorf-Restaurant.

Dorf in der ProvenceBlütenzauberBaumkroneDorf in der ProvenceKleine GasseSchmunzelnBuntPoolSteinigAlte LiebeAlte LiebeAbgekämpftKirche

Restaurant mal anders: Picknick mit Fougasse, Oliven, Baguette, frischem Käse und Blick über das Maurengebirge bis hin zum Mittelmeer. Mittelmeer mal türkis, mal tiefblau. Tiefblau auch der Himmel, unter dessen Weite die Natur sich innerhalb weniger Tage von wintergrau zu frühlingsbunt verwandelt. Verwandelt sind auch die Häuser und Gärten nach wenigen Tagen, überall wird gebaut, geputzt, gewerkelt. Gewerkelt für die Saisongäste, die bald kommen und ab Ostern Ferienwohnungen und Hotels in Beschlag nehmen. In Beschlag genommen werden auch unsere Sinnesorgane beim Einkaufen. Einkaufen ist hier eine Kultur: Einkaufskultur auf Französisch heißt, Fleisch beim Metzger, Brot beim Bäcker und Gemüse vom Markt zu kaufen. Kaufen im Supermarkt ist zwar ebenfalls beliebt. Beliebter aber, verehrt gar, sind Boulanger (Bäcker) und Boucher (Fleischer), angesiedelt im Zentrum eines jeden noch so kleinen Dorfes. Dörfer der Provence, das sind Vence, La Garde-Freinet, Plan-de-la-Tour, Tourettes. Tourettes, gemeint ist hier nicht das Syndrom, sondern eines der schönsten Wehrdörfer in der Nähe von St. Tropez. St. Tropez, bekanntester Ort an der Cote d’Azur. Cote d’Azur, herrliche Sandstrände gibt es hier kaum, kilometerlange Küstenstraßen, endlose 70er-Jahre-Kulissen und Ferienobjekte mit dem Charme von Parkhäusern sind die Realität. Realität sind auch die Zeichen grenzüberschreitenden Gesundheitswahnes in französischen Geschäften: grüner Tee serviert in beinahe jedem Caffee, Vollkornbrot als fester Bestandteil einer jeden Bäckerei-Verkaufstheke, alkoholfreier Wein in schier unüberschaubaren Weinregalen. Weinregale, grellgelbe Mimosenblüte und Zikadenrufe – unverwechselbar Provence.

FelsenmeerBlümleTürzuTürzuHafen GimbaudHafen GimbaudExplosionExplosion1Explosion2Explosion3StrandbarRosenTisch

bisher 3 Kommentare 03. August 2010

Oh wie schön ist Kanada

Kanada
Kanadische Urlaubsbilder, die sich aneinander reihen: Aufgeregt im Chrysler Cruiser sitzen und mit Automatikschaltung die ersten Kilometer in die kanadische Weite hineinfahren. Dabei ein zaghaftes Gefühl von Freiheit spüren. Alle zwei Minuten A und O sagen und verzweifelt Parkmöglichkeiten auf dem Seitenstreifen des Highways suchen, um wenigstens einen Bruchteil der Schönheit fotografisch festzuhalten. Sich an der Vollkommenheit der Herbstfarben niemals satt sehen können. Beim Picknick am Waldrand sitzen und über die Schönheit der Landschaft staunen, die sich vor einem ausbreitet. Pfeifen und klappern gegen die Bären. Im Morgenrot am St. Laurence-Strom entlang joggen. Sonnenbaden auf dem Olympia-Gelände von Montreal. Mit zwei Labradorkindern im perfekten Abbild einer nordamerikanischen Fernsehvorstadt spazieren gehen und Smalltalk mit den Nachbarn betreiben. Echten kanadischen Lachs auf einem gigantischen Gasgrill grillen und dazu schweren französischen Rotwein trinken. Montreal zu Fuß erlaufen: Vom Gemüsemarkt zum alten Hafen, vom China- ins Bankenviertel, vom Mont Royal zum Stadtviertel Plateau, wo die Straßen breit und hell sind und die Häuser die typischen Eisentreppen an der Frontseite haben. Mit Antje und Jean kurzzeitig in ihr kanadisches Leben eintauchen und so Kanada noch authentischer erleben. In einem von außen unscheinbaren und von innen charaktervollen Restaurant eines französischen Ehepaars bretonische Crepes speisen. Von der Freundlichkeit der Kanadier überrascht werden, als wir die Rechnung wegen Schwierigkeiten mit der Visa-Karte nicht vollständig bezahlen können. Dankbarkeit und Freude, weil Madame Dylla die fehlenden 10 Dollar einfach auf den Tisch legt und uns somit den nächtlichen Weg zum nächsten Geldautomaten erspart.

WildgänseBuntes KanadaGraues KanadaWolkenspielFarbenwahnAusblickEinblickWetterfühligHerumhängenWassersteinKanadische FahneKonstruktKonstrukt 2Nicht USAStar TrekSegnen

Die Weite der Wälder, Seen und Wiesen einatmen. Stundenlang Wanderpfaden folgen, vorbei an kleinen und großen Seen. Rehfamilien, die sich von Wanderern wie uns nicht stören lassen. Schildkröten, die wir nur auf dem Verkehrsschild gesehen haben. Und vor allem Eichhörnchen und Erdhörnchen, die Nüsse knackend uns betrachten und unter uns im Boden verschwinden, die für Kanadier jedoch nur eine andere Form von Ratten sind. Zwischenstation im Cottage am Ende einer Straße, die in keinem Navigationssystem der Welt zu finden ist: Le chemin Laura Lane. Nicht die Tote aus “Twin Peaks” sondern Mykas Oma ist hier verewigt. Stundenlang am Ufer des Lac Blanche sitzen und “fern sehen”: Warmes Licht und Ruhe, unterbrochen nur von dem Gegacker der Wildgansschwärme, die in pittoresken Formationen auf dem Weg gen Süden sind. Kurz entschlossen vom Cottage in den See hüpfen und einige Meter schwimmen. Das Gewitter auf der anderen Seeseite vorbeiziehen sehen. Gemeinsames Kochen und gemütliches Essen an der prächtigen Tafel von Myka, Matilda und Jens nach Tagen voller Eindrücke und Wanderungen. Bei stundenlangem Regen im Haus des Rangers picknicken. Die Weiten eines kanadischen Supermarkts durchstreifen und unbekannte Produkten bestaunen.

KonspirativTurbulenzenBlaurotFahnenfarbenDetailWieseAbendstimmungWaldrotWolkenspielSpiegelseeSchüttgutspeicherHimmelsgitterNur die HälfteHimmelszeltPop ArtBootsschalen

15-Dollar-Wein aus der Flasche trinken und auf den künstlichen Kamin unseres Zimmers im Motel Alpengruß schauen. Leckeres Abendessen im alten Bahnhof von Wakefield genießen, bestehend aus Fisch an Süßkartoffelmus und Pasta an Geflügel mit Wildbeerensorbet. Den Lac Philippe umwandern, danach in der warmen Herbstsonne sonnenbaden. Die Touristen in einem kanadischen Neubauort ala Walt-Disney-World beobachten und dabei Starbucks-Kaffee trinken. Am Abend mit Antje, Jean und ihren Freunden im Cottage die kanadische Fassung von Stadt-Name-Fluss spielen und dabei Wein trinken. Tausend verschiedene Abstufungen der Pink-Tönen der kanadischen Ahorn-Blätter in den Erinnerungen verankern. Stundenlang am Panoramafenster von Antjes und Jeans Luxus-Chalet sitzen, lesen, Tee trinken und vom satten Grün des regennassen Herbstwaldes nicht genug bekommen.
Man höre und staune: Kanada ist das seenreichste Land der Welt: Seen mit einer Gesamtoberfläche von insgesamt rund 900.000 Quadratkilometern soll es hier geben, was etwa einem Drittel der weltweiten Süßwasservorkommen entspricht. Entsprechend werden rund 70 Prozent der in Kanada erzeugten elektrischen Energie mit Wasserkraft gewonnen. Kanada ist auch ein Land der Kälte: Etwa 60 Prozent der Landesfläche haben eine Jahresdurchschnittstemperaturen unter null Grad, mehr als 70 Prozent des Landes eine Januardurchschnittstemperatur von unter minus zehn Grad. Der St. Lorenz-Strom, die Lebensader im südlichen Kanada, ist im Winter drei bis fünf Monate zugefroren. Kanada ist im wahrsten Sinne des Wortes “multikulti”: 82 ethnische Gruppen mit 72 verschiedenen Sprachen leben hier. Dennoch ist das Land laut UNO das Land mit der besten Lebensqualität, die an Kriterien wie Lebenserwartung, Schulbesuch, Pro-Kopf-Einkommen oder Bildungsstand der Bevölkerung definiert wird. In Kanada ist einfach alles groß: Allein die Provinz Quebec ist mit 1,5 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland, verfügt allerdings mit knapp 8 Millionen Einwohnern etwa über so viele Einwohner wie Niedersachsen. Gesamt-Kanada ist mit 10 Millionen Quadratkilometer das zweitgrößte Land der Erde und damit 33mal größer als Deutschland. Kanada als das zweitgrößte Flächenland der Welt hat dabei nur knapp über 35 Millionen Einwohner.

Freunde!WolkenspielWasserspielBuntes WasserBrückeSpiegelungSpiegelung2ImpressionistWasserfallSonnenaufgangDüsterHerbergeWir!?BlätterAusblickOlympiaOlympia2Zurück

bisher 1 Kommentar 03. Dezember 2009

¡Hola!Barcelona

Palmen in Barcelona
Ankommen in Barcelona: Eine Oase des Sommers. Sonnenhitze und Meereskühle. 1,5 Liter Wasser trinken, ohne auf die Toilette zu müssen. Überwältigt vom bunten Treiben. Der erste Weg führt zum Meer, der zweite zu den Ramblas. Ein Wirrwar aus Gassen und Gässchen, Plätzen und Märkten fordert alle Sinne. Den Überblick zu behalten: Unmöglich. Schnell passt man sich der spanischen Gelassenheit an. Café cortado und Café con Leche in schönstem Ambiente für zwei Euro siebzig. Creme Catalane: Auch als Eis köstlich. Wie man die vielen Tapas auseinander hält und am Ende beim Zahlen nicht durcheinander kommt? Und wie kommt der Schinken von der Tresen-Decke auf den Teller? Avocados mit Zitrone schmecken in Spanien viel besser als zu Hause. Fitz-Kola und Bionade werden in Szenekneipen angepriesen und irritieren den inneren Kompass.

Unsere Bleibe: Viertes OG, erreichbar durch den Dienstbotenaufgang. Das Treppenhaus weniger als ein schmaler Schlauch. Mit Rucksack auf dem Rücken bleibt man auf jeden Fall stecken. Die Wohnung selbst: Klein, fein und authentisch Barcelona. Blick in die Hinterhöfe und Nachbarwohnungen, auf Dachterasssen, Gassenwirrwar und nistende Tauben. In den dunkelsten und unwirklichsten Gassen um die Ecke befinden sich die coolsten, stylischsten Designerläden und Outletstores. Geschlafen wird mit Oropax. Während Barcelona nie zu schlafen scheint: Touristengruppen lassen sich auch nachts die Altstadt erklären. Vorzugsweise auf dem Platz vor unserem Haus. Sogar die Müllabfuhr arbeitet zur besten Schlafenszeit. Vor unserem Fenster tanzt jemand Flamenco und singt dabei Ave Maria. Junge Tauben zirpen nicht, wenn sie Hunger haben, sondern klagen quietschend. Am ersten Abend sitzt das gesamte Haus im Dunkeln. Stromausfall. Schon im Treppenhaus nur Notbeleuchtung. Nicht nur jegliche Form von Licht, auch die Toilettenspülung ist an den Strom gekoppelt. Der abtauende Kühlschrank sowieso.

Barcelona at Night: Mit einer abendlichen Flasche Wein auf dem Weg zum Meer. Mitschwimmen im Strom der Touristen und Einheimischen, die, wie es scheint, allesamt erst nach 22 Uhr auf die Straße gehen. Barcelona schmückt sich mit neu erbauten, prächtig beleuchteten olympischen Flaniermeilen entlang des Yachthafenbeckens. Die wenigen sorgsam gepflegten Rasenstückchen sind begehrt bei jungen Leuten. Wären da nicht die Rasensprenganlagen, die pünktlich 23 Uhr aus dem Rasen aufsteigen und Liegende verjagen. Nachts sehen die Altstadtgassen aus wie künstliche Kulissen im Filmstudio. Irreal beleuchtet. Lateinamerikanische Musik versteht man viel besser, wenn man sie in Spanien hört. Die perfekte Verbindung von Emotionen mit Impressionen.

Barcelona und seine Markthallen: Was für die Deutschen der Billig-Supermarkt, ist für die Spanier die Markthalle. Hier treffen alle Bevölkerungsgruppen Barcelonas zusammen und zelebrieren den Einkauf. Von den Touristen ganz abgesehen. Die Fischstände erfordern die gesamte Aufmerksamkeit des Besuchers. Die Auswahl an Meeresgetier ist unübertroffen. Mit unglaublicher Behändigkeit werden hier Fische ausgenommen, entschuppt, weiterverarbeitet. Alles bewegt sich noch irgendwie. Nicht nur Hummer, auch Muscheln aller Art machen ihre letzten Atemzüge auf schön dekorierter Auslage. Die Obstabteilung dagegen ist etwas für das Harmoniezentrum im Gehirn: Meterweise Obst, Gemüse, Nüsse, kandierte Früchte, getrocknetes Obst, wohin das Auge sieht. Ein alter, noch stattlicher Mann im abgenutzten Anzug zwirbelt seinen mit Pomade geformten Bart und spiegelt sich im Schaufenster. Der Begriff “ältere Dame” scheint hier erfunden: Je höher das Alter, desto mehr hält “Frau” etwas auf sich und verlässt stets geschminkt, im Kostüm gekleidet und mit Dauerwelle das Haus.

Barcelona und Touristen: Die Olympiaanlage in Barcelona weckt Assoziationen zu Brasilia: Moderne Architektur trifft auf NICHTS. Kein Mensch weit und breit. Ästhetisch interessant und gleichzeitig steril. Deutsche Touristen sehen gar nicht mehr deutsch und französische Touristen gar nicht mehr französisch aus. Nur Russen, die erkennt man sofort. Französisch ist neben dem Spanischen die meist gesprochene Sprache. Während man Touristen vor allem an Eistüten und Hochsicherheitsrucksäcken erkennt, sind die Tribute der Einheimischen Flipflops und “Bicing”-Leihfahrräder. Diese begehrten Teile darf man jedoch nur als “residentes” ausleihen. Das ehemalige Expo-Dorf Peblo Espanyol kostet 8 Euro Eintritt. Dafür kann der Besucher dann einheimisches (Kunst-)Handwerk einkaufen. Der Schmuck von Christine ist etwas Besonderes und hebt sich ab von dem zum Kitsch neigenden Touristenziel (Weiterer Schmuck bei plastiflor.es).

Barcelona am Strand: Würde man dem Fingerzeig der Columbusstatue im Hafen folgen, käme man direkt nach Amerika. Eine Strandliege kostet unbeschreibliche 5 Euro. Eine Badematte dagegen: Nichts. Asiatinnen holen den verträumten Strandbesucher alle fünf Minuten mit “Ola! Massage?” oder “Hello! Massage?” in die Realität zurück. Einheimische Möwe fliegt stundenlang mit Lenkdrachen um die Wette. Ganz nach der Devise: “Schau her, du Ding, das kann ich viel besser.” Die Haut fühlt sich salzig an vom Meer.

 

Hafen von BarcelonaKolumbus-DenkmalWo ist Amerika?gemüsigfischigfleischigMarktBahnhofshalleBahnhofHafenStrandblickUnwetter am StrandWackelhausFeuerwerkKinderschreckModernLangweilige PostkarteMondflugÄnne und TimHonigwasserGaudiSagrada FamíliaSagrada FamíliaLadenphilosophie

Volksfest in Barcelona: Das heißt: Konzerte an jeder Ecke. Überhaupt ist in der gesamten Stadt ein riesiger Menschenstrom unterwegs. Vormittags auf der Suche nach Schnäppchen der Rebaxas, abends auf der Suche nach der besten Party. Das Viertel Poble Sec: Spanisches Multikulti, wie in Berlin-Kreuzberg. Am Abend lässt sich rätselhaftes Treiben beobachten. Später wird klar: es handelt sich um Menschenturm-Training. Während wir auf dem Platz unseren Wein trinken, schafft es die Mannschaft auf viereinhalb Etagen. Das beste kanarische Menschenturm-Team hält den Rekord über neun Etagen! Kaum ist das Menschenturm-Training beendet, wird es von einem Umzug der Riesenpuppenmenschen abgelöst. Unter lärmender Musik findet das Stadtteilfest so seinen Höhepunkt. Aufgabe dieser Riesenpuppen scheint es zu sein, kleinen Kindern einen gehörigen Schrecken einzujagen. Das Publikum am Rande zollt Respekt vor der Leistung der Träger.

Barcelona ist teuer: Dem Laden um die Ecke wurde die Miete kürzlich von 2000 auf 7000 Euro erhählt. Globalisiertes Bettlertum: Vor dem “Spar-Markt” am Rande der Altstadt schimpfen zwei deutsche Bettler über die Globalisierung. Ob es wohl vor dem “Zara-Store” in Berlin bald spanische Bettler gibt?

bisher 10 Kommentare 26. Juli 2009

Sommer in Kopenhagen


Schnell nach der Ankunft im Kopenhagener Zentrum zeigt sich: Anders als andere Städte ist Kopenhagen als Reiseziel in der mitteleuropäischen Wahrnehmung völlig unterbewertet. Jung, entspannt, hell, freundlich, lässig und modern lernen wir die Stadt der kleinen Meerjungfrau kennen. Mit kostenlosen Leihrädern – Ausleihe nach dem Einkaufswagenprinzip – lässt sich die dänische Metropole entspannt erkunden. Sie erstreckt sich über eine größere Fläche, als erwartet. Im Krieg kaum zerstört, schafft historische Bausubstanz fast überall Wohlfühlatmosphäre. Flüsschen und Kanäle, Strände und befestigte Uferpromenaden, Yachthäfen und Containerschiffe, das Kreischen der Möwen sowie Geruch von Meer signalisieren Urlaub. Rockfestivals in der Innenstadt, freundliche Menschen überall – vom Busfahrer, Vermieter, Eisverkäuferinnen oder Kellnerinnen – überzeugen uns vom skandinavischen Lebensgefühl.
Nein, ganz oben auf der Prioriätenliste stand Kopenhagen vor der Reise ganz bestimmt nicht. Auch wenn europäische Städtereisen dank Easyjet inzwischen ein Kinderspiel sind, die Entscheidungsfindung angesichts eines Überangebots an sommerlichen Reisezielen ist alles andere als easy. Erst recht nicht Mitte Dezember, wenn die Flucht aus Berlin ein natürlicher Reflex ist. Wohin reisen, im Juni, zu Beginn der heißesten Zeit des Jahres? Ins sonnenüberflutete Sizilien? Oder schwitzend durch Thessaloniki stapfen? Oder sich nächtens schlaflos in einer aufgeheizten spanischen Finca hin und her wälzen? Reflexartig kommen nördliche Gefilde in den Fokus: Skandinavien als ideales Ziel. Also, auf nach Kopenhagen.

 

Haus und HimmelWandtellerSchnullerbaumWolkenfensterSpiegelhausModernMathiÄnneBikePazifistSchwanger?Zurück

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