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Kuren


Rehabilitation leitet sich vom mittellateinischen Wort rehabilitatio her und bedeutet Wiederherstellung. Rehabilitationsmaßnahmen bezeichnen die medizinischen und pflegerischen Bestrebungen, Krankheitsfolgen oder drohende Beeinträchtigungen zu bewältigen, um so die Gesundheit eines Menschen wieder auf einen vormals existierenden körperlichen Zustand zu heben.

Auszug aus der Angebotspalette des Reha-Kiosks: Gesundheitlich wertvolle Lebensmittel wie Merci-Schokoriegel, Bonbons, Storck-Schokoladen-Riesen, Kartoffelchips, Erdnussflips, Milka-Schokolade, Mars-Riegel, Rotkäppchen-Sekt und andere Alkoholika. Beliebte Publikationen wie Der Landser, Super-Illu, Groschenromane, Fernsehzeitschriften sowie Tageszeitungen wie die Mitteldeutsche Zeitung oder der Berliner Kurier. Nützliche Bedarfsartikel wie Papiertaschentücher, Waschmaschinentabs, Beileids- oder Geburtstagskarten. Vergeblich gesucht: Obst und Gemüse, heißes Wasser für Tee, Salzstangen, verschickbare Postkarten oder die Wochenzeitung Zeit. Die Zeit was iss´n das? So was wie die Super-Illu mit Kreuzworträtseln und so? Immerhin: Die Vollverpflegung lässt nicht viele Wünsche offen.

Der Altersdurchschnitt der Mitpatienten liegt gefühlt bei 70 aufwärts. Die Dichte an verfügbaren Rollatoren ist um mindestens 200 Prozent höher als im realen Leben.

Bevorzugte Themen am Essenstisch: Wie die Zeit zu vertreiben sei. Eigentlich eine seltsame Redenswendung für onkologische Patienten.

Der Tag ist ausgefüllt mit Gymnastikübungen im Kreise von Senioren – von Ruderbewegungen nach moderner Musik von Modern Talking wahlweise auf Flexi-Bällen oder mit Hilfe von Idigo-Stäben, bis hin zu visualisierender Tiefenentspannung. Die Bäderabteilung hat leider geschlossen. Wegen Legionellenbefall. Dafür gibt es eine Dauerkarte für den Fitnessraum und Nordic Walking für Anfänger.

Der Yoga-Kurs kommt leider nicht zustande. Für einen einzigen Teilnehmer kann die Yogalehrerin leider nicht anreisen. Der Kurs Serviettenfalttechnik hingegen ist immer bis auf den letzten Platz belegt.

Sollte man sich Gedanken machen, wenn man sich unter der Dusche beim Singen von Heidschi bumbeitschi bum bum erwischt?

Die Süddeutsche Zeitung schreibt: Der pädagogische Reiz der Krise ist es, dass situationsbedingt das Definieren von neuen Werten und Zielen einfacher ist – einfacher als ohne Krise. Von daher ist es als Segen zu betrachten, dass der Reha-Aufenthalt dem Patienten mehr Zeit als genug verschafft, sich über neue Werte und Ziele klar zu werden.

Das Auge wird von der helltürkisfarbigen Einrichtung gequält. Funktionalität im 80er-Jahre-Look ist wichtiger als Wohlfühlatmosphäre.

Momente, die trotz allem glücklich machen, sind die kleinen Begebenheiten am Rande:
1. Die Sonne an einem klaren Tag und ein kalter, knackiger Apfel.
2. Das perfekte Licht zum Fotografieren.
3. Ein durch Zufall entdeckter, liebevoll arrangierter Kleintier-Zoo mit mir als einzigem Besucher. Mich dort von Fuchs, Reh und Ziege beobachten zu lassen.
5. Beim Sport ins Schwitzen kommen.
6. Draußen zu stehen und mit geschlossenen Augen die kalte frische Luft tief einzuatmen.
7. Reifbedeckte Bäume im Winter.

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bisher 1 Kommentar 22. Januar 2009

Zwei Städter in den Bergen

Stein und Wasser
Das verschwommene Traumbild eines perfekten Urlaubs von zwei Städtern, die der Umgebungshektik moderner Berliner Arbeitswelt überdrüssig sind: Urlaub mitten in den Bergen. Zwei Wochen fernab urbaner Zivilisation. Eine kleine, feine Unterkunft mitten im Grünen. Umgeben von Jahrmillionen alten Bergmassiven und Gebirgswiesen. Frei durch atmen und nachts Sterne am Himmel sehen. Urlaub – Natur – Berge – Ruhe – Wandern. Mit diesen Suchbegriffen navigiert uns das Internet recht zielsicher in den Bregenzer Wald. Schlössle Ittensberg wird wenig später unser Urlaubsdomizil sein. Ittensberg – Ortsteil von Großdorf, gleich neben Egg, in der Nähe von Schwarzenberg, im Hinterland von Bregenz – wahrlich hinter den siebzehn Bergen. Und genau dort erleben wir wenig später einen perfekten Urlaub.

Wald

Wie wir Städter den Wald im Bregenzerwald sehen: Der Wald als Märchenbuch: Den alten, knorrigen Wurzeln, versteckten Felsen und mit Moos bewachsenen Steine kann man Geschichten über Geschichten entlocken, wenn man nur ganz aufmerksam hinsieht. Der Wald als Freizeitpark: Wandern, Picknicken, Rasten, Fotografieren, Lesen, Schlummern, Fotografieren. Der Wald als Geschichtsbuch: Die meterhohen Farne und Schachtelhalme sind stumme Zeugen einer längst untergegangenen Zeit vor vielen Millionen Jahren. Der Wald als Obstparadies: Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren in Hülle und Fülle, gratis zum Einsammeln am Wegesrand. Der Wald als Klimaanlage: Im Schatten der Bäume ist es selbst zur heißesten Mittagszeit angenehm kühl. Der Wald als Regenschutz: Das dicke Laub- und Nadeldach bieten eine schier undurchlässige Schicht gegen Nässe von oben.

WaldsteinWurzelwerkSchattenspieleFensterfrontWaldbankFernsichtWurzelbergGewächswir


Wasser

Es ist vor allem das Wasser, das den Bregenzerwald ausmacht. Dem Wasser begegnen wir hier überall. Selbst im Hochsommer, wenn es schon seit Tagen nicht geregnet hat. Zuerst treffen wir das Grundwasser. Das kann – anders als in anderen Gegenden – hier nicht versickern. Das lässt eine wasserundurchlässige Gesteinsschicht nicht zu. Fast alle Wiesen sind deshalb Feuchtbiotope. Wanderwege werden so zu Wasserwegen. Im Wald weit verbreitet: Die Gebirgsflüsschen. An jeder Ecke des Bregenzerwaldes plätschert es. Aus zartesten Rinnsälen werden tosende Wasserfälle. Aus sprudelnden Quellen reißende Flüsse. Und die machen nicht halt vor Felsgestein und sei es noch so mächtig. So hat das Wasser über Jahrtausende unvermutete Naturspektakel für uns zwei Berliner Wanderer geschaffen, wie Schluchten, Klamme oder Kamine, die häufig mit so unvermuteter Wucht daherkommen, dass sie Erfurcht und Ergriffenheit verursachen. Weitaus ruhiger, doch kein bisschen unprätentiöser: Die Gebirgssehen. Ruhig, klar und beinahe unantastbar liegen sie inmitten atemberaubender Bergwelt. Sie sind Ziele schweißtreibender Wanderungen, Wegmarke auf der Wanderkarte oder Überraschung nach der Wegkurve. Schließlich unser Schwimmbad in Egg. So kalt wie das kälteste Quellwasser war es für uns Erfrischung und Überwindung gleichermaßen, wenn wir dem Becken Meter für Meter Schwimmstrecke abgetrotzt haben. Und all diesen Wässern zugrunde liegt der Bodensee, das schwäbische Meer. Majestätisch und kraftvoll, schier endlos und Silber glänzend bildet er den Abschluss der Wasserwelt des Bregenzer Waldes. Und ist zugleich sein Anfang, wenn die dichten Nebel aufsteigen und vom Wind in Richtung Berg getrieben werden.

WasserkraftWasserfallWasserschirmWassertropfenWasser um ÄnneWasserstrudel


Berge

Verschwenderisch geht die Bregenzer Bergwelt mit ihren Reizen um. Und jeden Tag aufs Neue lassen wir Städter uns betören von unseren drei Hausbergen im Wandel des Sonnenlichts: Tristenkopf, Winterstaude und der Niedere. Gern und oft halten sich die Drei mit Hochnebel bedeckt. Vor allem im ersten Morgengrauen. Es ist die Morgensonne, die ihnen wenig später dabei hilft, hervorzutreten aus dem weiß-zarten Schleier. Sie ist es auch, die ihnen Minute für Minute ihre Farben und Konturen zurückgibt. Aus dem blassen, verschwommenen Gegenüber wird so ein kantiges, sattgrünes Bergmassiv. Und wenn schließlich die Mittagssonne von der einen Talseite zur anderen wandert, macht sie sich jeden Tag aufs Neue den Spaß, mit den Schatten der drei Gevatter zu spielen. So kommt es, dass die Schatten am Morgen sehr lang, am Mittag sehr kurz und gegen Abend wieder sehr lang sind. Die Abendsonne hingegen lässt das Grün der drei Berge noch grüner aussehen und taucht alle Felsen in ein warmes Rot. Von Minute zu Minute ­- wechselnde Kulissen. Und dann, ganz schnell, nimmt die Sonne alles wieder mit, was sie vorher am Morgen so großzügig verschenkt hat, bevor sie hinter dem Talrücken verschwindet: Farben, Konturen, Vorsprünge, Einzelheiten. Dann sind die drei Berge nur noch eine dunkle Wand.

HausbergKirchbergDer BlickFernsehen für KüheArchitektur im BregenzerwaldHütteNebelkircheSchöne AussichtSteinformationSeilbahn

 

bisher 3 Kommentare 02. September 2007

Geschichten von einer brandenburgischen Frühlingswanderung

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Was sich am Sonntagmorgen, fünf Tage vor Karfreitag, im kleinen Dorf Trebnitz bei Wulkow, abspielte, war unerhört, ja geradezu ein Skandal. Willhelm Kullrichs Eierbecher auf dem Frühstückstisch war leer geblieben. Kullrich konnte nicht glauben, was er vor sich sah. Fast blieb ihm die Luft weg und er musste sich setzen. Ein Sonntagsfrühstück ohne Frühstücksei, das hatte es noch nie gegeben. Dabei frühstückte er nun schon seit mehr als dreißig Jahren Sonntag für Sonntag an diesem Tisch. Und wenn ihm etwas heilig war im Leben, dann war es ein Frühstücksei am Sonntagmorgen. Und das wusste auch Trude, sein Perlhuhn, das ihm vom ersten Tag ihres gemeinsamen Lebensweges treu zur Seite stand. Jeden Sonntag legte es seinem Herrn ein großes, wenn auch nicht zu großes Ei. Leicht braun gesprenkelt, mit ebenmäßiger Schale. Das Eiweiß war klar und fest, das Dotter kräftig golden. Ein Qualitätsei, gerade so, wie es Wilhelm Kullrich schätzte. Doch heute war das Ei ausgeblieben. Was hatte dem geplagten Huhn seine Fähigkeit zum Eierlegen genommen? Es war eine unglückliche Verkettung der Umstände, die Trebnitz am Nachmittag vor jenem unglückseligen Sonntagmorgen, fünf Tage vor Karfreitag, in Atem hielt. Dabei hatte alles so harmlos begonnen: Überwältigt von der grünenden und blühenden Natur Ostbrandenburgs, waren der Wanderer und seine Wanderin aus Berlin einer mit jahrhundertealten Pflastersteinen ausgelegten Weidenallee gefolgt. Der Trebnitzer Dorfsee war ihr Ziel gewesen, als sie wenige Kilometer entfernten Jahnfelde ihr Auto hatten stehen lassen. Vorbei ging es an Feldern, Wiesen, Bienenstöcken und kleinen Tümpeln. Nach einer Stunde Fußmarsch war die Allee in den schmalen Trampelpfad gemündet, der sich am Seeufer entlang schlängelte. Und genau an dieser Stelle, wo die Wanderin als Wegzehrung mit lautem Knall eine Tüte Salzstangen öffnete, nahm das Unglück seinen Anfang: Für einen Bruchteil von Sekunden war alles still. So still, dass man sogar das Salz von den Salzstangen rieseln hören konnte.

Unscharfe LeninVerfangenBlütenprachtDornigSchattenspielSchattenspiel Teil 2FlügelMauerschattenSchloss NeuhardenbergFundstückBeuys ?FensterwellenSchattenspiel Teil 3WasserimpressionBrandenburg

Dann ein Rascheln im Gebüsch, das näher kam. Zerbrechende Äste. Berstendes Unterholz. Ein aus dem Unterholz brechendes Reh, nur wenige Zentimeter von den rastenden Wanderern entfernt. Erschrocken von der knallenden Salzstangentüte und den unbekannten Zeitgenossen auf dem Trampelpfad, steuerte das Reh planlos und mit hohen Geschwindigkeiten geradewegs in Richtung der nagelneuen Behausung der Dorfschwäne. Diese hatten sich in ihrem Domizil gerade neu eingerichtet, nachdem ein Sturmtief mit seltenem slawischem Namen ihre ursprüngliche Behausung am Fuße mehrerer alter Erlen dem Erdboden gleich gemacht hatte. Die Schwäne jedenfalls, als sie das Reh wie von der Tarantel gestochen auf sie zu rasen sahen, flohen mit lautem Geschrei und Gezeter auf den Dorfsee von Trebnitz. Während sich die Schwäne in baldiger Sicherheit wähnten und schon aufatmeten, gab es für die ortsansässige, fünfzehnköpfige Buntentenfamilie, die wie jeden Nachmittag um diese Zeit am Fuße der Liebesinsel in der Mitte des Sees gemächlich ihre Kreise zog, kein Halten mehr. Mit aufgeregtem Geschnatter stoben sie vor der Invasion der Schwäne auseinander. Noch in der Luft sammelten sie sich und ließen sich, in starker Gruppe vereint, auf der Wiese in der Nähe des sumpfigen Schilfgürtels nieder. Während sie aufgeregt über die Eindringlinge in ihrem Revier schimpften und lauthals Vergeltung forderten, brachten sie damit, ohne es nur im Geringsten zu ahnen, das dort ansässige Bienenvolk um seinen wohlverdienten Nachmittagsschlaf. Innerhalb weniger Sekunden versammelten sich die Trebnitzer Honigbienen auf ein kurzes Alarmsignal ihrer Königin vor ihrem blau und gelb angestrichenen Bienenwagen. Ein pulsierendes, kontinuierliches Summen breitete sich in Sekundenschnelle am ganzen See aus. Es übertönte sogar das aufgeregte Geschnatter der Enten, das laute Gezeter der Schwäne und das unter den Hufen des Rehs berstende Unterholz. Sehr zur Beunruhigung der beiden Kaltblüter, die bis dahin gemütlich auf der Koppel neben dem schilfigen Ufer an einigen Grashalmen gekaut hatten. Als sie jedoch mehrere Abteilungen des Bienenvolkes auf sich zu kommen sahen, war es mit ihrer Gemütlichkeit vorbei. Sie bekamen es mit der Angst zu tun und stoben laut wiehernd in entgegen gesetzten Richtungen auseinander. Knut, der dicke Graue, in Richtung Wasser. Sophie, die schöne Brünette, zielstrebig in Richtung Bauernhof. Dort war gerade Bauer Tillmann, der Nachbar von Kullrich, mit Rasenmähen beschäftigt. Doch als er seine braune Sophie über den Zaun springen und auf sich zu galoppieren sah, ließ er vor Schreck den Rasenmäher los, der daraufhin unkontrolliert wie ein Derwisch durch den Garten fegte. Nicht nur die frisch angepflanzte Tulpenrabatte, auch der buschige Schwanz des lahmen Hauskaters fiel dem motorisierten Ungeheuer zum Opfer. So lahm war der Hauskater dann wohl doch nicht, denn seines Schwanzes beraubt, stob er geradewegs in die Küche von Frau Tillmann, die gerade dabei war, das Sonntagshemd ihres Mannes zu bügeln. Als plötzlich der lahme Kater mit lautem Kreischen zwischen ihre Beine stob, ließ sie das Bügeleisen nur wenige Zentimeter neben dem angegriffenen Katzenschwanz auf den Boden fallen. Das war selbst einem alten Kater zuviel. Verzweifelt suchte er den kürzesten Ausgang über den Balkon, stieß auf der Wiese mit Klein-Tillmann zusammen, der seinerseits aus Schreck vor dem aggressiven Kater in Richtung Kaninchenställen flüchtete. Doch der Weg dorthin war kürzer als gedacht. An Bremsen nicht mehr zu denken, schon befand sich Klein-Tillmann auf Kollisionskurs zu den aus wackeligem Kiefernholz gezimmerten Verhauen, die nach einem unsanften Zusammenstoß langsam nach vorne nachgaben. Die Osterhasen freuten sich über den unerwarteten Ausgang, denn ihr freier Nachmittag im Garten war normalerweise erst einen Tag später angekündigt worden. Wie auf Kommando stoben sie in ihre Lieblingshimmelsrichtung davon, in den Hühnerstall von Bauer Kullrich, wo es dunkel und warm war. Doch auch die Haseninvasion sollte nicht ohne Nachspiel bleiben. Denn Kullrichs Hahn, der gerade damit beschäftigt war, seine Schlafstätte zu reinigen, klemmte sich vor Schreck über die ungebetenen Gäste seinen Hahnenkamm so stark in seiner Schranktür ein, dass dieser vor Schmerzen abfiel. Damit war Kullrichs Hahn nun seiner ganzen Mannespracht beraubt. Als Trude dieses Trauerspiels gewahr wurde und sie das Elend ihrer Situation erfasste, rutschte ihr vor Schreck das mit Liebe ausgetragene Frühstücksei, das sie wie jeden Samstag Nachmittag aus Ergebenheit für ihren Herrn Willhelm Kullrich legte, aus dem Unterleib und zerschellte auf dem Scheunenboden.
Dies war die Geschichte der unglücklichen Umstände, die dazu führten, dass Wilhelm Kullrich aus Trebnitz bei Wulkow neben Neuhardenberg zum ersten Mal seit 30 Jahren kein Frühstücksei am Sonntagmorgen in seinem Eierbecher vorfand.

bisher 5 Kommentare 04. April 2007

Landpartien. Für Berliner. An einem perfekten Sonnabend.

Willkommen im Wochenende, Berliner. Was tun, an einem Sonnabend? Einem Sonnabend, der schon am Morgen danach aussieht, ein perfekter Sonnabend zu werden? Gas geben. Land gewinnen. Brandenburger Land gewinnen.Zwischen den Welten pendeln. Welten, die unterschiedlicher kaum sein können: Die Welt Berlin. Die Welt Brandenburg. Raus aus der sonnenbestrahlten gelb-grauen Häuserschlucht namens Prenzlauer Allee. Hinein in eine volle, leere Weite namens Schorfheide. Das Radio bespricht Kinderbücher aus Indien. Im Gegensatz zu Indien sieht man in der Schorfheide keine Menschen. Nicht, wenn man über das Land fährt. Nicht in den sonnenbestrahlten gelb-grauen Dörfern. Nicht auf dem Dorfanger. Nicht vor den Häusern. Leer: Die Schorfheide ist menschenleer. Voll: Die Schorfheide ist ausdrucksstark, eindrucksvoll. Wälder, Seen, Wiesen, Felder, Kühe, endlose Alleen. Das Auto am Waldrand stehen lassen. Natur. Luft. Sauerstoff-Overkill. Kälte, die in die Ärmel kriecht. Geruch nach modrigem Holz und frischen Kiefernadeln. Nasser Boden, der unter den Schuhen quietscht. Zwitschernde Vögel. Knackende Wipfelkronen. Vereiste Pfützen. Moorastige Uferlandschaft. Geschichten erzählende Baumrinden am Boden. Weggeworfener Hausrat neben dem Weg. Ein Hochstand am nächsten. Baumkronen, die sich im Wasser spiegeln. Riechen. Sonne auf der Nasenspitze spüren. Auf Moos laufend. An den Händen fassend. Kleinigkeiten entdeckend. Und am Abend dieses perfekten Sonnabends – volltrunken von Eindrücken – nach Berlin zurückkehrend.

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bisher 1 Kommentar 25. Februar 2007

Es riecht nach Frühling.

himmel über brandenburg

Heute liegt er zum ersten Mal in der Luft, der Geruch nach Frühling. Ein Fest, dieser Moment. Jahr für Jahr verankert er sich aufs Neue wohlig-orange in der Erinnerung. Der Frühlingsgeruch – es gibt ihn, genauso, wie es einen eigenen Sommer-, Herbst- und Wintergeruch gibt. Jede Jahreszeit hat ihren spezifischen Duft. Es sind nur Nuancen. Aber die machen den Unterschied. Man erkennt sie sofort: Im Sommer sind es frisches Gras, trockene Straßen oder die Spuren von Sonnencreme, die die Luft bestimmen. Der Duft von trockenen Kiefernnadeln. Oder von Meerwasser. Das ist Sommer. Und weckt Kindheitserinnerungen an die ersten Sommertage, an denen die Mutter endlich Sommerkleid und Kniestrümpfe erlaubte. Im Herbst dagegen: Der modrige Geruf von nassem Laub. Feuchte Straßen und Wege, die nach Sprühregen riechen. Oder nach Boten des ersten Frosts in kalter beißiger Luft. Und manchmal riecht der Herbst golden, nach klarem, kaltem Himmel, dem Vorboten des Winters. Heute jedenfalls riecht es nach Frühling. Nach vorsichtigen, ersten Sonnenstrahlen. Nach kaltfrischer Luft. Nach feuchtem Waldboden. Die letzten Pfützen noch gefroren. Raureif, der das hohe, braune Gras verziert. Nichts hat uns in der Stadt gehalten. Draußen, in Brandenburg, kann man schon am Ufer des Sacrower Sees sitzen. Aufs Wasser schauen. Den Kindern beim Fußball zusehen. Die Vögel zwitschern hören. Die Sonne scheint ins Gesicht. Vorsichtig warm. Vorfreude auf den Geruch des Sommers.

baumrieseschöne tapete

 


bisher 1 Kommentar 18. Februar 2007

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