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Paul Potts und die Reise in die verbotene Stadt


Ob wir uns die Reise in verbotene Stadt wirklich gut überlegt hätten? Unserem Nachbarn, einem gefühlten Kölner, ist das Unbehagen deutlich anzumerken. Kein Kölsch, nur Alt, keine Vorwegweiser… Aber lang geplant und häufig verschoben, hält uns nichts vom Besuch in Düsseldorf ab. Schon die Anreise widerlegt alte Vorurteile: Bielefeld gibt es wirklich, sogar der Zug hält da. Die Bahn ist pünktlicher als ihr Ruf, der ICE aus Berlin rollt auf die Sekunde pünktlich in Düsseldorf ein. Düsseldorf hat viele nette Seiten zu bieten, die sich mit ortskundiger Führung zu Fuß erlaufen lassen. Einzig die westdeutsche Partykultur bleibt fremd. Ballermann gibt es nicht nur auf Malle, in der Düsseldorfer Altstadt ritualisieren Siggis ihre Junggesellenabschiede, feiern Kegelklubs aus dem Umland mit eng getakteten Trinkwettbewerben den Start in das Wochenende. Ruhrgebiet für Anfänger steht auf der Tagesordnung: In Oberhausen und Duisburg lösen sich ebenfalls Vorurteile auf. Auch im Pott scheint manchmal die Sonne. Grün gibt es, soweit das Auge blickt. Oberhausen ist in Sachen Musikkultur ganz vorn dabei: Weltstars wie Anna-Maria Zimmermann, Peter Wackel und Jörg Bausch lassen sich von zehntausenden Open-Air-Besuchern frenetisch feiern. Spannende Industriedenkmale ziehen uns als Ruhrgebiets-Neulinge in ihren Bann. Wie Kinder stromern wir stundenlang an Gießereihallen und Sinteranlagen vorbei und klettern an Hochöfen empor. Bratwurst, Pommes und Eis am Stiel sind am Ende ein wirklich ehrliches Essen in dieser Umgebung. Einen großen Dank an die ortskundigen Gastgeber und die vielen Impressionen. Lerneffekt: Ruhrgebiet = Vielfältigkeit = unzählige Brüche = unverschnörkelte Ehrlichkeit = spannend Unentdecktes. Apropos: Mit hoher Plakatdichte ist es Paul Potts, der sich bereits als nächster Superstar des Ruhrgebiets nach Eva-Maria Zimmermann ankündigt.

 

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jetzt kommentieren? 03. Juli 2009

Anekdoten aus Sanssouci


Obst aus Sanssouci: Der Legende nach war es die Vorliebe von Friedrich dem Großen für frisches Obst, weshalb er die Gartenanlage gleichzeitig als Zier- und Nutzgarten nutzen ließ. Der Reiseführer verkündet: Kulturgeschichtlich und stilistisch wird der Park von Ost nach West immer jünger - und immer grüner statt bunter. Alle Gewächshausanlagen von Sanssouci zusammengenommen, ergaben laut Gartendirektion 12.412 ¼ Fuß, das sind 3895 Meter. Als der König in Ostpreußen und im Felde war, wurde es zentrale Aufgabe der Gartenverwaltung, ihm frisches Obst und Gemüse aus eigener Produktion nachzusenden.
Nicht gut Kirschen essen: Friedrich der Große hatte eines Tages seiner Frau einige Kirschen geschickt, die in den Gewächshäusern von Sanssouci frühzeitig gereift waren. Sorgfältig hatte er die Kirschen in nasses Moos verpacken lassen, damit sie während des langen Transports frisch hielten. In einem Begleitbrief bat er die Königin, „sich die erste Frucht seines Gartens prächtig munden zu lassen und dabei seiner kräftig zu gedenken“. Sein Page jedoch, ein gewisser Herr von Seydlitz, bekam aufgrund der Hitze und Eile unterwegs einen solchen Durst, dass er der Versuchung, eine Kirsche zu naschen, nicht widerstehen konnte. Dabei kam noch eine zweite und dritte Kirsche zum Vorschein, auch die aß er auf. Niemand wird in einem so großen Paket das Fehlen von drei Kirschen bemerken, muss er wohl bei sich gedacht haben. Er verschloss das Moospaket sorgfältig zu und überbrachte sie der Königin. Diese war nicht wenig erstaunt und überrascht, als sie das Paket öffnete und nichts als Moos vorfand. Denn der König hatte nicht mehr als die drei ersten Kirschen des Jahres darin verpackt. Als sie den launigen Brief des Königs las, in dem er sie bat, sich die Früchte des Gartens gut schmecken zu lassen, dachte sie an einen üblen Scherz ihres Gatten. Sie setzte sich daher an den Schreibtisch und schrieb: „Lieber Friedrich! Ich danke dir herzlich für deine liebenswürdige Aufmerksamkeit, die du mir durch Übersendung der jungen Gartenfrucht bereiten wolltest. Aber leider ist es mir nicht möglich, sie zu genießen. Sie mag wohl für Gänse schmackhaft sein, aber nicht für die Gemahlin des großen Königs.”
Flöten für eine warme Mahlzeit: Mit dem Plan, in Sanssouci eine Gemäldegalerie anzulegen, trat Friedrich der Große eine Kunstreise nach Holland an. Um ungestört zu bleiben, reiste er inkognito und gab sich als Flötenspieler aus. Man erzählt sich, dass er in einem Gasthof in Amsterdam eine kostbare Pastete bestellen wollte. Die Wirtin jedoch traute dem fahrenden Gast nicht und fragte, ob er denn auch im Stande sei, das teure Gericht zu bezahlen. Friedrich entgegnete, dass er mit seinem Flötenspiel in einer Stunde wohl mehr verdienen könne, als zehn Pasteten wert seien. Die Wirtin gab sich damit nicht zufrieden und forderte ein Hörbeispiel ein. Ganz hingerissen von der Schönheit seines Vortrages, soll sie ausgerufen haben: „Gut, mein Herr; Sie können gar schön pfeifen und wohl einige Batzen verdienen: ich werd’ Ihnen die Pastete machen!“
Kampf gegen Windmühlen: Die Legende besagt, dass sich Friedrich der Große durch die Windmühle, die seitlich neben seinem Schloss stand, gestört fühlte und das Gelände gern für seinen Garten genutzt hätte. Also hatte er dem Müller Johann Wilhelm Grävenitz den Kauf der Mühle angeboten. Der Müller jedoch lehnte ab, weshalb der König gedroht haben soll: “Weiß Er denn nicht, dass ich Ihm kraft meiner königlichen Macht die Mühle wegnehmen kann, ohne auch nur einen Groschen dafür zu bezahlen?” Worauf der Müller geantwortet habe: „Gewiss, Euer Majestät, das könnten Euer Majestät wohl tun, wenn es - mit Verlaub gesagt - nicht das Kammergericht in Berlin gäbe.” Worauf Friedrich der Große klein beigab. Noch heute erheben sich die Flügel der Mühle über das königliche Schloss, die Unterwerfung des Königs unter das Gesetz bezeugend.
Aus Funk und Fernsehen: „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ ist der letzte Film mit Romy Schneider. Darin geht es um die Erschießung des paraguayische Botschafters. Der Täter erzählt in Rückblenden die Hintergründe der Tat. Romy Schneider konnte der deutschen Version ihre Stimme nicht mehr verleihen, da sie bereits verstorben war.
Parkverkehrsordnung: Die neue Parkordnung von Sanssouci sorgte im Jahr 2008 für viel Furore. Im Mittelpunkt stand dabei der Modeschöpfer und Potsdamer Einwohner Wolfgang Joop, der an einem Nachmittag mit dem Fahrrad und zwei unangeleinten Hunden im Park Sanssouci unterwegs gewesen war – beides laut Parkordnung nicht erlaubt. Ein Parkwächter hatte Joop angehalten, es kam zur Auseinandersetzung, die mit gegenseitigen Anzeigen endete. Der Fall liegt nunmehr bei der Potsdamer Staatsanwaltschaft.

 

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bisher 1 Kommentar 26. April 2009

Der Bodensee


Hat er gute Laune, lässt er den Besucher großzügig einen Blick auf sein malerisches Hinterland werfen, präsentiert stolz die umliegenden Bergketten und gegenüberliegenden Landschaften. Im Sommer teilt er großzügig seinen ganzen Besitz mit Tausenden von Seglern und Schwimmern.
Im Winter lockt er Spaziergänger und Wanderer in Scharen zu sich ans Ufer und lässt sie sein Wasser umrunden. Und immer erzählt er dabei Geschichten. Jeden Tag mit noch nie gesehenen Bildern und unbekannten Farben. So freigiebig er bei guter Laune, so knauserig ist er bei Trauer oder Wut. Gnadenlos verstellt er dann sein gütiges Gesicht und verhüllt alles Schöne, Bunte und Wohlgeformte. Obendrein legt er einen dichten Nebel auf die Schultern der Neugierigen. An solchen Tagen lässt er nur wenige an sich heran. Die engsten Anwohner gehören dazu, ebenso wie Enten und Angler, Läufer, Hunde und deren Besitzer. Ein paar Tage verharrt er im Grollen. Er hadert leise und behäbig oder zürnt stürmisch und grimmig. Und menschengleich strahlt er tags darauf wieder mit voller Kraft, als könne er kein Wässerchen trüben.

 

KonstanzKüstennebelKonstanzer SkylineBrückenblickAusgebrannt

bisher 1 Kommentar 01. April 2009

Eiskalte Erinnerungen: Winterurlaub 2009


Rügen im Winter: Menschenleere, wohin man kommt. Die Strände weit. Die Ortschaften entvölkert. Die Cafés unbesucht. Die Wanderwege abseitig. Die Strandkörbe verlassen. Die Tage kurz. Über allem liegt eine Einsamkeit, die fast autistisch macht. Blick aus dem Panoramafenster – vom Bett aus gesehen: Grün, grün, grün. Wald, Wiese. Und wenig später: Vereiste Weite. Raureif. Bizarre Strukturen aus Frost an Gräsern und Bäumen. Schnee. Tierspuren. Gefrorener Atem.
Rügen als Ort der Globalisierung, das Erbe der slawischen Besiedlung ist allgegenwärtig: Banzelvitz(er Berge), Barnkevitz, Bisdamitz, Boldevitz, Borchtitz, Burtvitz, Buschvitz, Dumsevitz, Fernlüttkevitz, Götemitz, Jarkvitz, Kartzitz, Kasnevitz, Klentelvitz, Krakvitz, Lonvitz, Losentitz, Mellnitz, Muglitz, Nadelitz, Nardevitz, Parchtitz, Poppelvitz, Poseritz, Pulitz, Ramitz, Reddevitz, Ruschvitz, Schmantevitz, Schoritz, Schweikvitz, Silvitz, Starrvitz, Thesenvitz, Tribbevitz, Urkevitz, Varbelvitz, Veikvitz, Venzvitz, Vilmnitz. [Die Silben „–vitz“ oder „-titz“ sind typische slawische Suffixe. Der vorangestellte Name stammt in der Regel vom Gründer bzw. einer herausragenden Person des Ortes.]
Gegenschnitt: Bedrückende Hafenanlagen aus grauem Ostbeton. Deprimierende Ferienanlagen aus 30er-JahreBeton. Unkaputtbar, bedrohlich. Aber am Ende ist es doch die Natur, die Oberhand behält: Zurückeroberung des Lebensraums ist allgegenwärtig. Rollmops und Brathering mit Bier im Werksverkauf von „Rügenfisch“. Moderne Ferienanlagen mit der Attraktivität von Ärztehäusern. Zersiedelte, seelenlose Ortschaften. Pilgerfahrten der Einheimischen zu Discountzentren auf der grünen Wiese. Dranske ganz oben im Nordwesten: Mit seinen verlassenen Plattenbauten, menschenleeren Holperstraßen, der notdürftig geflickten Ortsstruktur. Der Inbegriff von Tristesse. Nur die Steilküste von Dranske entschädigt. Wild und zerklüftet wie in englischen Filmen.
Das Anziehen der Thermokleidung dauert 10 Minuten. Winterlicht raubt den Atem: Von eisblau bis winterroter Sonne, die sich im Bodden spiegelt. Die Natur erwachen sehen. Gefrorener Sandstrand. Vor Kälte knarrende Kiefern. Sturmböen, peitschende Schneestürme. Die Stille von sanft rieselnden Schneeflocken. Gefrorene Kreidefelsen, die wie Gold in der Sonne glitzern. Schwarze vom Meer heranwirbelnde Schneesturmfront. Der Geruch von Salzwasser, kalten Algen und frischem Fisch. Thermoskannentee und Grog gegen steif gefrorene Finger. Reet gedeckte Katen. Vogelschwärme über den Deichen der Naturschutzgebiete. Glücksmomente in jedem Moment. Und der absolute Wille, Schönes in der Seele zu verankern.

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bisher 1 Kommentar 29. März 2009

Kuren


Rehabilitation leitet sich vom mittellateinischen Wort „rehabilitatio“ her und bedeutet Wiederherstellung. Rehabilitationsmaßnahmen bezeichnen die medizinischen und pflegerischen Bestrebungen, Krankheitsfolgen oder drohende Beeinträchtigungen zu bewältigen, um so die Gesundheit eines Menschen wieder auf einen vormals existierenden körperlichen Zustand zu heben.

Auszug aus der Angebotspalette des Reha-Kiosks: Gesundheitlich wertvolle Lebensmittel wie Merci-Schokoriegel, Bonbons, Storck-Schokoladen-Riesen, Kartoffelchips, Erdnussflips, Milka-Schokolade, Mars-Riegel, Rotkäppchen-Sekt und andere Alkoholika. Beliebte Publikationen wie „Der Landser“, Super-Illu, Groschenromane, Fernsehzeitschriften sowie Tageszeitungen wie die Mitteldeutsche Zeitung oder der Berliner Kurier. Nützliche Bedarfsartikel wie Papiertaschentücher, Waschmaschinentabs, Beileids- oder Geburtstagskarten. Vergeblich gesucht: Obst und Gemüse, heißes Wasser für Tee, Salzstangen, verschickbare Postkarten oder die Wochenzeitung „Zeit“. „Die Zeit – was iss’n das? So was wie die Super-Illu – mit Kreuzworträtseln und so? Immerhin: Die Vollverpflegung lässt nicht viele Wünsche offen.

Der Altersdurchschnitt der Mitpatienten liegt gefühlt bei „70 aufwärts“. Die Dichte an verfügbaren Rollatoren ist um mindestens 200 Prozent höher als im realen Leben.

Bevorzugte Themen am Essenstisch: Wie die Zeit zu „vertreiben“ sei. Eigentlich eine seltsame Redenswendung für onkologische Patienten….

Der Tag ist ausgefüllt mit Gymnastikübungen im Kreise von Senioren - von Ruderbewegungen nach moderner Musik von Modern Talking wahlweise auf Flexi-Bällen oder mit Hilfe von Idigo-Stäben, bis hin zu visualisierender Tiefenentspannung. Die Bäderabteilung hat leider geschlossen. Wegen Legionellenbefall. Dafür gibt es eine Dauerkarte für den Fitnessraum und Nordic Walking für Anfänger.

Der Yoga-Kurs kommt leider nicht zustande. „Für einen einzigen Teilnehmer kann die Yogalehrerin leider nicht anreisen.“ Der Kurs Serviettenfalttechnik hingegen ist immer bis auf den letzten Platz belegt.

Sollte man sich Gedanken machen, wenn man sich unter der Dusche beim Singen von „Heidschi bumbeitschi bum bum“ erwischt?

Die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Der pädagogische Reiz der Krise ist es, dass situationsbedingt das Definieren von neuen Werten und Zielen einfacher ist“ - einfacher als ohne Krise. Von daher ist es als Segen zu betrachten, dass der Reha-Aufenthalt dem Patienten mehr Zeit als genug verschafft, sich über neue Werte und Ziele klar zu werden.

Das Auge wird von der helltürkisfarbigen Einrichtung gequält. Funktionalität im 80er-Jahre-Look ist wichtiger als Wohlfühlatmosphäre.

Momente, die trotz allem glücklich machen, sind die kleinen Begebenheiten am Rande:
1. Die Sonne an einem klaren Tag und ein kalter, knackiger Apfel.
2. Das perfekte Licht zum Fotografieren.
3. Ein durch Zufall entdeckter, liebevoll arrangierter Kleintier-Zoo mit mir als einzigem Besucher. Mich dort von Fuchs, Reh und Ziege beobachten zu lassen.
5. Beim Sport ins Schwitzen kommen.
6. Draußen zu stehen und mit geschlossenen Augen die kalte frische Luft tief einzuatmen.
7. Reifbedeckte Bäume im Winter.

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bisher 1 Kommentar 22. Januar 2009

Zwei Städter in den Bergen

Stein und Wasser
Das verschwommene Traumbild eines perfekten Urlaubs von zwei Städtern, die der Umgebungshektik moderner Berliner Arbeitswelt überdrüssig sind: Urlaub mitten in den Bergen. Zwei Wochen fernab urbaner Zivilisation. Eine kleine, feine Unterkunft mitten im Grünen. Umgeben von Jahrmillionen alten Bergmassiven und Gebirgswiesen. Frei durch atmen und nachts Sterne am Himmel sehen. „Urlaub – Natur – Berge – Ruhe – Wandern.“ Mit diesen Suchbegriffen navigiert uns das Internet recht zielsicher in den Bregenzer Wald. Schlössle Ittensberg wird wenig später unser Urlaubsdomizil sein. Ittensberg – Ortsteil von Großdorf, gleich neben Egg, in der Nähe von Schwarzenberg, im Hinterland von Bregenz – wahrlich hinter den siebzehn Bergen. Und genau dort erleben wir wenig später einen perfekten Urlaub.

Wald

Wie wir Städter den Wald im Bregenzerwald sehen: Der Wald als Märchenbuch: Den alten, knorrigen Wurzeln, versteckten Felsen und mit Moos bewachsenen Steine kann man Geschichten über Geschichten entlocken, wenn man nur ganz aufmerksam hinsieht. Der Wald als Freizeitpark: Wandern, Picknicken, Rasten, Fotografieren, Lesen, Schlummern, Fotografieren. Der Wald als Geschichtsbuch: Die meterhohen Farne und Schachtelhalme sind stumme Zeugen einer längst untergegangenen Zeit vor vielen Millionen Jahren. Der Wald als Obstparadies: Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren in Hülle und Fülle, gratis zum Einsammeln am Wegesrand. Der Wald als Klimaanlage: Im Schatten der Bäume ist es selbst zur heißesten Mittagszeit angenehm kühl. Der Wald als Regenschutz: Das dicke Laub- und Nadeldach bieten eine schier undurchlässige Schicht gegen Nässe von oben.

WaldsteinWurzelwerkSchattenspieleFensterfrontWaldbankFernsichtWurzelbergGewächswir


Wasser

Es ist vor allem das Wasser, das den Bregenzerwald ausmacht. Dem Wasser begegnen wir hier überall. Selbst im Hochsommer, wenn es schon seit Tagen nicht geregnet hat. Zuerst treffen wir das Grundwasser. Das kann ­– anders als in anderen Gegenden – hier nicht versickern. Das lässt eine wasserundurchlässige Gesteinsschicht nicht zu. Fast alle Wiesen sind deshalb Feuchtbiotope. Wanderwege werden so zu Wasserwegen. Im Wald weit verbreitet: Die Gebirgsflüsschen. An jeder Ecke des Bregenzerwaldes plätschert es. Aus zartesten Rinnsälen werden tosende Wasserfälle. Aus sprudelnden Quellen reißende Flüsse. Und die machen nicht halt vor Felsgestein und sei es noch so mächtig. So hat das Wasser über Jahrtausende unvermutete Naturspektakel für uns zwei Berliner Wanderer geschaffen, wie Schluchten, Klamme oder Kamine, die häufig mit so unvermuteter Wucht daherkommen, dass sie Erfurcht und Ergriffenheit verursachen. Weitaus ruhiger, doch kein bisschen unprätentiöser: Die Gebirgssehen. Ruhig, klar und beinahe unantastbar liegen sie inmitten atemberaubender Bergwelt. Sie sind Ziele schweißtreibender Wanderungen, Wegmarke auf der Wanderkarte oder Überraschung nach der Wegkurve. Schließlich unser Schwimmbad in Egg. So kalt wie das kälteste Quellwasser war es für uns Erfrischung und Überwindung gleichermaßen, wenn wir dem Becken Meter für Meter Schwimmstrecke abgetrotzt haben. Und all diesen Wässern zugrunde liegt der Bodensee, das schwäbische Meer. Majestätisch und kraftvoll, schier endlos und Silber glänzend bildet er den Abschluss der Wasserwelt des Bregenzer Waldes. Und ist zugleich sein Anfang, wenn die dichten Nebel aufsteigen und vom Wind in Richtung Berg getrieben werden.

WasserkraftWasserfallWasserschirmWassertropfenWasser um ÄnneWasserstrudel


Berge

Verschwenderisch geht die Bregenzer Bergwelt mit ihren Reizen um. Und jeden Tag aufs Neue lassen wir Städter uns betören von unseren drei Hausbergen im Wandel des Sonnenlichts: Tristenkopf, Winterstaude und der Niedere. Gern und oft halten sich die Drei mit Hochnebel bedeckt. Vor allem im ersten Morgengrauen. Es ist die Morgensonne, die ihnen wenig später dabei hilft, hervorzutreten aus dem weiß-zarten Schleier. Sie ist es auch, die ihnen Minute für Minute ihre Farben und Konturen zurückgibt. Aus dem blassen, verschwommenen Gegenüber wird so ein kantiges, sattgrünes Bergmassiv. Und wenn schließlich die Mittagssonne von der einen Talseite zur anderen wandert, macht sie sich jeden Tag aufs Neue den Spaß, mit den Schatten der drei Gevatter zu spielen. So kommt es, dass die Schatten am Morgen sehr lang, am Mittag sehr kurz und gegen Abend wieder sehr lang sind. Die Abendsonne hingegen lässt das Grün der drei Berge noch grüner aussehen und taucht alle Felsen in ein warmes Rot. Von Minute zu Minute ­­– wechselnde Kulissen. Und dann, ganz schnell, nimmt die Sonne alles wieder mit, was sie vorher am Morgen so großzügig verschenkt hat, bevor sie hinter dem Talrücken verschwindet: Farben, Konturen, Vorsprünge, Einzelheiten. Dann sind die drei Berge nur noch eine dunkle Wand.

HausbergKirchbergDer BlickFernsehen für KüheArchitektur im BregenzerwaldHütteNebelkircheSchöne AussichtSteinformationSeilbahn

 

bisher 3 Kommentare 02. September 2007

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