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Nachweihnachten auf Hiddensee

Idylle auf Hiddensee
Eis und Schnee soweit das Auge reicht.
Manchmal auch Nebel, der einen ringsum in Watte hüllt.
Unendliche Stille am kilometerlangen Strand.
Dunkelste Dunkelheit und Millionen von Sternen in der Nacht.
Orte wie ausgestorben. Egal ob Tag oder Nacht.
Eiskristalle, wie die schönsten Schmuckstücke.
Gischt, formvollendet wie tausend schwungvolle Pinselstriche.
Die Ostsee mehr als hundert Meter weit unter dicken Eispanzern weggesperrt.
Sonst könnten wir das Rauschen vom Dünenhaus aus hören.

Blaue StundeTiefflugPantoffeltierchenNicht so warmEissteineGelbe StundeBuntRotweinschiffBohlenA...KriecherSilvesterspurenStreptokokkenStreptokokken 216:50 ab HiddenseeIdyll

Am ersten Tag:
Vorfreude auf verschiedene Dinge, wie zur Ruhe kommen, Zeit für Bücher, Zeit zum Nichtstun.
Nach drei Tagen:
Alle ist verlangsamt. Das Datum vergessen. Erholung getankt für einen ganzen Urlaub.
Nach einer Woche:
Noch mehr verlangsamt. Die Insel fast dreimal zu Fuß umrundet. Den Postboten und die (Winter-)Busfahrer täglich gegrüßt. Alle verfügbaren Hörspiele zu Ende gehört.
Nach zehn Tagen:
Noch immer nicht am Meer satt gesehen. Jeden Tag ein neues Foto von der Küste. Das Festland in unendlicher Ferne. Aber die Fähre wartet schon auf die Überfahrt.

jetzt kommentieren? 18. Januar 2011

In die Berge nach Toggenburg

Toggenburg - Schweiz
Vom Bodensee fahren wir in die Schweizer Alpen. Nach nur 90 Minuten stehen wir mitten im Alpenzeller Käseland. Die Uhren, sie gehen hier langsamer. Anfahrtsskizze heißt hier “Wegbeschrieb”. Straßennamen gibt es nicht. Nach dem Wäldchen links abbiegen. Am Dorflädle vorbei. Vor dem Berg rechts. Unsere Bleibe liegt zwischen Wiesen und Feldern. Der Tagesablauf wird hier vom Vieh und vom Sonnenstand bestimmt. Und genau das ist es, was wir in Toggenburg gesucht hatten.

SchwyzerMuhChurfirstenMauerSchweizer KäseGardineHühotMüheBergpanorama

Uns zieht die Sonne raus aus den Federn. In die Berge, über Wiesen, Felder. Das Glockenkonzert ist allgegenwärtig. Wie Instrumente eines Orchesters sind die Kuhglocken einer Herde auf einander abgestimmt. An Almen und unzähligen Kuhherden vorbei. Kaum eine Menschenseele ist auf den Wanderwegen zu sehen. Picknick vor Weltkulisse. Ist das Leben hier in der Höhe nicht wunderbar? Wer hat eigentlich Städte erfunden?
Die Legende beantwortet unsere Fragen. Sie besagt, dass einst ein einsamer Riese am Säntis wohnte und sich ganz schrecklich langweilte. Jahrhundertelang erspähte er sehnsüchtig in weiter Ferne das geschäftige Treiben der Menschen am fernen Ufer des Bodensees. Und er beneidete seine Nachbarn, die Bodensee-Riesen, um dieses Vergnügen. Bis ihm schließlich die Idee kam, sich zu seinen Füßen eine eigene kleine Stadt zu errichten. So wäre er nicht länger einsam. Doch da seine Hände viel zu grob waren, um die kleinen Häuser, Möbel, Straßen und Ställe für die Menschen zu errichten, bat er die Heinzelmännlein aus dem Nachbartal um Hilfe. Und die Zwerge bastelten aus Leibeskräften drauf los. In einem großen Sack wollte er alles nach Hause transportieren, als er jedoch unterwegs bei einem Schritt über die Berggipfel mit dem Sack an einer Felskante hängen blieb. Durch das Loch wirbelten wie Schneeflocken die Häuslein, Straßen und Ställe durcheinander und verteilten sich über das gesamte Tal. Und da der erschrockene Riese sah, wie hübsch sich nach und nach alles in die Landschaft einfügte, verwarf er den ursprünglichen Plan auf eine eigene Stadt und beobachtete fortan das emsige Treiben der Talbewohner zu seinen Füßen. Nun war er nicht länger einsam und sitzt wohl noch heute am Säntis und schaut zufrieden auf sein Toggenburg.

AppenzellerinNebelNebelbankSchweizer SchottenSchweizer SchottenHüttliFarnwir

Links zum Text:
Toggenburg
Guter Wegbeschrieb unserer Wanderungen

bisher 1 Kommentar 13. September 2010

Paul Potts und die Reise in die verbotene Stadt


Ob wir uns die Reise in verbotene Stadt wirklich gut überlegt hätten? Unserem Nachbarn, einem gefühlten Kölner, ist das Unbehagen deutlich anzumerken. Kein Kölsch, nur Alt, keine Vorwegweiser. Aber lang geplant und häufig verschoben, hält uns nichts vom Besuch in Düsseldorf ab. Schon die Anreise widerlegt alte Vorurteile: Bielefeld gibt es wirklich, sogar der Zug hält da. Die Bahn ist pünktlicher als ihr Ruf, der ICE aus Berlin rollt auf die Sekunde pünktlich in Düsseldorf ein. Düsseldorf hat viele nette Seiten zu bieten, die sich mit ortskundiger Führung zu Fuß erlaufen lassen. Einzig die westdeutsche Partykultur bleibt fremd. Ballermann gibt es nicht nur auf Malle, in der Düsseldorfer Altstadt ritualisieren Siggis ihre Junggesellenabschiede, feiern Kegelklubs aus dem Umland mit eng getakteten Trinkwettbewerben den Start in das Wochenende. Ruhrgebiet für Anfänger steht auf der Tagesordnung: In Oberhausen und Duisburg lösen sich ebenfalls Vorurteile auf. Auch im Pott scheint manchmal die Sonne. Grün gibt es, soweit das Auge blickt. Oberhausen ist in Sachen Musikkultur ganz vorn dabei: Weltstars wie Anna-Maria Zimmermann, Peter Wackel und Jörg Bausch lassen sich von zehntausenden Open-Air-Besuchern frenetisch feiern. Spannende Industriedenkmale ziehen uns als Ruhrgebiets-Neulinge in ihren Bann. Wie Kinder stromern wir stundenlang an Gießereihallen und Sinteranlagen vorbei und klettern an Hochöfen empor. Bratwurst, Pommes und Eis am Stiel sind am Ende ein wirklich ehrliches Essen in dieser Umgebung. Einen großen Dank an die ortskundigen Gastgeber und die vielen Impressionen. Lerneffekt: Ruhrgebiet = Vielfältigkeit = unzählige Brüche = unverschnörkelte Ehrlichkeit = spannend Unentdecktes. Apropos: Mit hoher Plakatdichte ist es Paul Potts, der sich bereits als nächster Superstar des Ruhrgebiets nach Eva-Maria Zimmermann ankündigt.

 

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jetzt kommentieren? 03. Juli 2009

Anekdoten aus Sanssouci


Obst aus Sanssouci: Der Legende nach war es die Vorliebe von Friedrich dem Großen für frisches Obst, weshalb er die Gartenanlage gleichzeitig als Zier- und Nutzgarten nutzen ließ. Der Reiseführer verkündet: Kulturgeschichtlich und stilistisch wird der Park von Ost nach West immer jünger – und immer grüner statt bunter. Alle Gewächshausanlagen von Sanssouci zusammengenommen, ergaben laut Gartendirektion 12.412 Fuß, das sind 3895 Meter. Als der König in Ostpreußen und im Felde war, wurde es zentrale Aufgabe der Gartenverwaltung, ihm frisches Obst und Gemüse aus eigener Produktion nachzusenden.
Nicht gut Kirschen essen: Friedrich der Große hatte eines Tages seiner Frau einige Kirschen geschickt, die in den Gewächshäusern von Sanssouci frühzeitig gereift waren. Sorgfältig hatte er die Kirschen in nasses Moos verpacken lassen, damit sie während des langen Transports frisch hielten. In einem Begleitbrief bat er die Königin, sich die erste Frucht seines Gartens prächtig munden zu lassen und dabei seiner kräftig zu gedenken. Sein Page jedoch, ein gewisser Herr von Seydlitz, bekam aufgrund der Hitze und Eile unterwegs einen solchen Durst, dass er der Versuchung, eine Kirsche zu naschen, nicht widerstehen konnte. Dabei kam noch eine zweite und dritte Kirsche zum Vorschein, auch die aß er auf. Niemand wird in einem so großen Paket das Fehlen von drei Kirschen bemerken, muss er wohl bei sich gedacht haben. Er verschloss das Moospaket sorgfältig zu und überbrachte sie der Königin. Diese war nicht wenig erstaunt und überrascht, als sie das Paket öffnete und nichts als Moos vorfand. Denn der König hatte nicht mehr als die drei ersten Kirschen des Jahres darin verpackt. Als sie den launigen Brief des Königs las, in dem er sie bat, sich die Früchte des Gartens gut schmecken zu lassen, dachte sie an einen üblen Scherz ihres Gatten. Sie setzte sich daher an den Schreibtisch und schrieb: “Lieber Friedrich! Ich danke dir herzlich für deine liebenswürdige Aufmerksamkeit, die du mir durch Übersendung der jungen Gartenfrucht bereiten wolltest. Aber leider ist es mir nicht möglich, sie zu genießen. Sie mag wohl für Gänse schmackhaft sein, aber nicht für die Gemahlin des großen Königs.”
Flöten für eine warme Mahlzeit: Mit dem Plan, in Sanssouci eine Gemäldegalerie anzulegen, trat Friedrich der Große eine Kunstreise nach Holland an. Um ungestört zu bleiben, reiste er inkognito und gab sich als Flötenspieler aus. Man erzählt sich, dass er in einem Gasthof in Amsterdam eine kostbare Pastete bestellen wollte. Die Wirtin jedoch traute dem fahrenden Gast nicht und fragte, ob er denn auch im Stande sei, das teure Gericht zu bezahlen. Friedrich entgegnete, dass er mit seinem Flötenspiel in einer Stunde wohl mehr verdienen könne, als zehn Pasteten wert seien. Die Wirtin gab sich damit nicht zufrieden und forderte ein Hörbeispiel ein. Ganz hingerissen von der Schönheit seines Vortrages, soll sie ausgerufen haben: “Gut, mein Herr; Sie können gar schön pfeifen und wohl einige Batzen verdienen: ich werd’ Ihnen die Pastete machen!”
Kampf gegen Windmühlen: Die Legende besagt, dass sich Friedrich der Große durch die Windmühle, die seitlich neben seinem Schloss stand, gestört fühlte und das Gelände gern für seinen Garten genutzt hätte. Also hatte er dem Müller Johann Wilhelm Grävenitz den Kauf der Mühle angeboten. Der Müller jedoch lehnte ab, weshalb der König gedroht haben soll: “Weiß Er denn nicht, dass ich Ihm kraft meiner königlichen Macht die Mühle wegnehmen kann, ohne auch nur einen Groschen dafür zu bezahlen?” Worauf der Müller geantwortet habe: “Gewiss, Euer Majestät, das könnten Euer Majestät wohl tun, wenn es – mit Verlaub gesagt – nicht das Kammergericht in Berlin gäbe.” Worauf Friedrich der Große klein beigab. Noch heute erheben sich die Flügel der Mühle über das königliche Schloss, die Unterwerfung des Königs unter das Gesetz bezeugend.
Aus Funk und Fernsehen: Die Spaziergängerin von Sans-Souci ist der letzte Film mit Romy Schneider. Darin geht es um die Erschießung des paraguayische Botschafters. Der Täter erzählt in Rückblenden die Hintergründe der Tat. Romy Schneider konnte der deutschen Version ihre Stimme nicht mehr verleihen, da sie bereits verstorben war.
Parkverkehrsordnung: Die neue Parkordnung von Sanssouci sorgte im Jahr 2008 für viel Furore. Im Mittelpunkt stand dabei der Modeschöpfer und Potsdamer Einwohner Wolfgang Joop, der an einem Nachmittag mit dem Fahrrad und zwei unangeleinten Hunden im Park Sanssouci unterwegs gewesen war – beides laut Parkordnung nicht erlaubt. Ein Parkwächter hatte Joop angehalten, es kam zur Auseinandersetzung, die mit gegenseitigen Anzeigen endete. Der Fall liegt nunmehr bei der Potsdamer Staatsanwaltschaft.

 

Schloß SanssouciSchachschattenNormparkTeezeremonieFünfte JahreszeitDurchblickDeckeDeckeDoppeldeckeROMANTIKWasserschloßAm UferSommerfrische

bisher 2 Kommentare 26. April 2009

Der Bodensee


Hat er gute Laune, lässt er den Besucher großzügig einen Blick auf sein malerisches Hinterland werfen, präsentiert stolz die umliegenden Bergketten und gegenüberliegenden Landschaften. Im Sommer teilt er großzügig seinen ganzen Besitz mit Tausenden von Seglern und Schwimmern.
Im Winter lockt er Spaziergänger und Wanderer in Scharen zu sich ans Ufer und lässt sie sein Wasser umrunden. Und immer erzählt er dabei Geschichten. Jeden Tag mit noch nie gesehenen Bildern und unbekannten Farben. So freigiebig er bei guter Laune, so knauserig ist er bei Trauer oder Wut. Gnadenlos verstellt er dann sein gütiges Gesicht und verhüllt alles Schöne, Bunte und Wohlgeformte. Obendrein legt er einen dichten Nebel auf die Schultern der Neugierigen. An solchen Tagen lässt er nur wenige an sich heran. Die engsten Anwohner gehören dazu, ebenso wie Enten und Angler, Läufer, Hunde und deren Besitzer. Ein paar Tage verharrt er im Grollen. Er hadert leise und behäbig oder zürnt stürmisch und grimmig. Und menschengleich strahlt er tags darauf wieder mit voller Kraft, als könne er kein Wässerchen trüben. Der Bodensee.

 

KonstanzKüstennebelKonstanzer SkylineBrückenblickAusgebrannt

bisher 1 Kommentar 01. April 2009

Eiskalte Erinnerungen: Winterurlaub 2009


Rügen im Winter: Menschenleere, wohin man kommt. Die Strände weit. Die Ortschaften entvölkert. Die Cafés unbesucht. Die Wanderwege abseitig. Die Strandkörbe verlassen. Die Tage kurz. Über allem liegt eine Einsamkeit, die fast autistisch macht. Blick aus dem Panoramafenster – vom Bett aus gesehen: Grün, grün, grün. Wald, Wiese. Und wenig später: Vereiste Weite. Raureif. Bizarre Strukturen aus Frost an Gräsern und Bäumen. Schnee. Tierspuren. Gefrorener Atem.
Rügen als Ort der Globalisierung, das Erbe der slawischen Besiedlung ist allgegenwärtig: Banzelvitz(er Berge), Barnkevitz, Bisdamitz, Boldevitz, Borchtitz, Burtvitz, Buschvitz, Dumsevitz, Fernlüttkevitz, Götemitz, Jarkvitz, Kartzitz, Kasnevitz, Klentelvitz, Krakvitz, Lonvitz, Losentitz, Mellnitz, Muglitz, Nadelitz, Nardevitz, Parchtitz, Poppelvitz, Poseritz, Pulitz, Ramitz, Reddevitz, Ruschvitz, Schmantevitz, Schoritz, Schweikvitz, Silvitz, Starrvitz, Thesenvitz, Tribbevitz, Urkevitz, Varbelvitz, Veikvitz, Venzvitz, Vilmnitz. [Die Silben -vitz oder -titz sind typische slawische Suffixe. Der vorangestellte Name stammt in der Regel vom Gründer bzw. einer herausragenden Person des Ortes.]
Gegenschnitt: Bedrückende Hafenanlagen aus grauem Ostbeton. Deprimierende Ferienanlagen aus 30er-JahreBeton. Unkaputtbar, bedrohlich. Aber am Ende ist es doch die Natur, die Oberhand behält: Zurückeroberung des Lebensraums ist allgegenwärtig. Rollmops und Brathering mit Bier im Werksverkauf von Rügenfisch. Moderne Ferienanlagen mit der Attraktivität von Ärztehäusern. Zersiedelte, seelenlose Ortschaften. Pilgerfahrten der Einheimischen zu Discountzentren auf der grünen Wiese. Dranske ganz oben im Nordwesten: Mit seinen verlassenen Plattenbauten, menschenleeren Holperstraßen, der notdürftig geflickten Ortsstruktur. Der Inbegriff von Tristesse. Nur die Steilküste von Dranske entschädigt. Wild und zerklüftet wie in englischen Filmen.
Das Anziehen der Thermokleidung dauert 10 Minuten. Winterlicht raubt den Atem: Von eisblau bis winterroter Sonne, die sich im Bodden spiegelt. Die Natur erwachen sehen. Gefrorener Sandstrand. Vor Kälte knarrende Kiefern. Sturmböen, peitschende Schneestürme. Die Stille von sanft rieselnden Schneeflocken. Gefrorene Kreidefelsen, die wie Gold in der Sonne glitzern. Schwarze vom Meer heranwirbelnde Schneesturmfront. Der Geruch von Salzwasser, kalten Algen und frischem Fisch. Thermoskannentee und Grog gegen steif gefrorene Finger. Reet gedeckte Katen. Vogelschwärme über den Deichen der Naturschutzgebiete. Glücksmomente in jedem Moment. Und der absolute Wille, Schönes in der Seele zu verankern.

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bisher 2 Kommentare 29. März 2009

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