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Zwei Städter in den Bergen

Stein und Wasser
Das verschwommene Traumbild eines perfekten Urlaubs von zwei Städtern, die der Umgebungshektik moderner Berliner Arbeitswelt überdrüssig sind: Urlaub mitten in den Bergen. Zwei Wochen fernab urbaner Zivilisation. Eine kleine, feine Unterkunft mitten im Grünen. Umgeben von Jahrmillionen alten Bergmassiven und Gebirgswiesen. Frei durch atmen und nachts Sterne am Himmel sehen. Urlaub – Natur – Berge – Ruhe – Wandern. Mit diesen Suchbegriffen navigiert uns das Internet recht zielsicher in den Bregenzer Wald. Schlössle Ittensberg wird wenig später unser Urlaubsdomizil sein. Ittensberg – Ortsteil von Großdorf, gleich neben Egg, in der Nähe von Schwarzenberg, im Hinterland von Bregenz – wahrlich hinter den siebzehn Bergen. Und genau dort erleben wir wenig später einen perfekten Urlaub.

Wald

Wie wir Städter den Wald im Bregenzerwald sehen: Der Wald als Märchenbuch: Den alten, knorrigen Wurzeln, versteckten Felsen und mit Moos bewachsenen Steine kann man Geschichten über Geschichten entlocken, wenn man nur ganz aufmerksam hinsieht. Der Wald als Freizeitpark: Wandern, Picknicken, Rasten, Fotografieren, Lesen, Schlummern, Fotografieren. Der Wald als Geschichtsbuch: Die meterhohen Farne und Schachtelhalme sind stumme Zeugen einer längst untergegangenen Zeit vor vielen Millionen Jahren. Der Wald als Obstparadies: Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren in Hülle und Fülle, gratis zum Einsammeln am Wegesrand. Der Wald als Klimaanlage: Im Schatten der Bäume ist es selbst zur heißesten Mittagszeit angenehm kühl. Der Wald als Regenschutz: Das dicke Laub- und Nadeldach bieten eine schier undurchlässige Schicht gegen Nässe von oben.

WaldsteinWurzelwerkSchattenspieleFensterfrontWaldbankFernsichtWurzelbergGewächswir


Wasser

Es ist vor allem das Wasser, das den Bregenzerwald ausmacht. Dem Wasser begegnen wir hier überall. Selbst im Hochsommer, wenn es schon seit Tagen nicht geregnet hat. Zuerst treffen wir das Grundwasser. Das kann – anders als in anderen Gegenden – hier nicht versickern. Das lässt eine wasserundurchlässige Gesteinsschicht nicht zu. Fast alle Wiesen sind deshalb Feuchtbiotope. Wanderwege werden so zu Wasserwegen. Im Wald weit verbreitet: Die Gebirgsflüsschen. An jeder Ecke des Bregenzerwaldes plätschert es. Aus zartesten Rinnsälen werden tosende Wasserfälle. Aus sprudelnden Quellen reißende Flüsse. Und die machen nicht halt vor Felsgestein und sei es noch so mächtig. So hat das Wasser über Jahrtausende unvermutete Naturspektakel für uns zwei Berliner Wanderer geschaffen, wie Schluchten, Klamme oder Kamine, die häufig mit so unvermuteter Wucht daherkommen, dass sie Erfurcht und Ergriffenheit verursachen. Weitaus ruhiger, doch kein bisschen unprätentiöser: Die Gebirgssehen. Ruhig, klar und beinahe unantastbar liegen sie inmitten atemberaubender Bergwelt. Sie sind Ziele schweißtreibender Wanderungen, Wegmarke auf der Wanderkarte oder Überraschung nach der Wegkurve. Schließlich unser Schwimmbad in Egg. So kalt wie das kälteste Quellwasser war es für uns Erfrischung und Überwindung gleichermaßen, wenn wir dem Becken Meter für Meter Schwimmstrecke abgetrotzt haben. Und all diesen Wässern zugrunde liegt der Bodensee, das schwäbische Meer. Majestätisch und kraftvoll, schier endlos und Silber glänzend bildet er den Abschluss der Wasserwelt des Bregenzer Waldes. Und ist zugleich sein Anfang, wenn die dichten Nebel aufsteigen und vom Wind in Richtung Berg getrieben werden.

WasserkraftWasserfallWasserschirmWassertropfenWasser um ÄnneWasserstrudel


Berge

Verschwenderisch geht die Bregenzer Bergwelt mit ihren Reizen um. Und jeden Tag aufs Neue lassen wir Städter uns betören von unseren drei Hausbergen im Wandel des Sonnenlichts: Tristenkopf, Winterstaude und der Niedere. Gern und oft halten sich die Drei mit Hochnebel bedeckt. Vor allem im ersten Morgengrauen. Es ist die Morgensonne, die ihnen wenig später dabei hilft, hervorzutreten aus dem weiß-zarten Schleier. Sie ist es auch, die ihnen Minute für Minute ihre Farben und Konturen zurückgibt. Aus dem blassen, verschwommenen Gegenüber wird so ein kantiges, sattgrünes Bergmassiv. Und wenn schließlich die Mittagssonne von der einen Talseite zur anderen wandert, macht sie sich jeden Tag aufs Neue den Spaß, mit den Schatten der drei Gevatter zu spielen. So kommt es, dass die Schatten am Morgen sehr lang, am Mittag sehr kurz und gegen Abend wieder sehr lang sind. Die Abendsonne hingegen lässt das Grün der drei Berge noch grüner aussehen und taucht alle Felsen in ein warmes Rot. Von Minute zu Minute ­- wechselnde Kulissen. Und dann, ganz schnell, nimmt die Sonne alles wieder mit, was sie vorher am Morgen so großzügig verschenkt hat, bevor sie hinter dem Talrücken verschwindet: Farben, Konturen, Vorsprünge, Einzelheiten. Dann sind die drei Berge nur noch eine dunkle Wand.

HausbergKirchbergDer BlickFernsehen für KüheArchitektur im BregenzerwaldHütteNebelkircheSchöne AussichtSteinformationSeilbahn

 

bisher 3 Kommentare 02. September 2007

Budapest, ein Städteerlebnis in fünf Episoden

Episode 1: Vor der Abfahrt: Der Reiz des unbekannten Budapest erfasst uns schon zu Hause, mit der Flugbuchung. Das Internet zeigt gefilterte Impressionen und schafft eine erste Vorahnung von der Pracht der ungarischen Hauptstadt. Ein Reiseführer verankert bruchstückhafte Sehenswürdigkeiten im Kopf. Zeitgleich der erste Versuch, sich den Stadtplan einzuprägen. Zweidimensional, vorerst. Doch zunächst schlummern die Impressionen noch leblos vor sich hin. Wie leere Hüllen, die nach Erlebnisinhalt gieren.

Episode 2: Am Tag der Abfahrt ist alles anders als sonst: Nie klingt das Weckerklingeln so freundlich, nie strömt Energie so schnell durch den verschlafenen Körper, nie schmeckt das Frühstücksbrot so frisch, wie am Tag der Abfahrt. Selbst die S-Bahn-Fahrt zum Flughafen vorbei an grauen Vororten Berlins sehen wir durch die Reisebrille. Das Ruckeln und die Zwischenhalte, ebenso das Einchecken und Warten auf den Abflug sind nicht weniger als süße Vorboten der Reise. In fünf Tagen erwartet uns all das erneut, dann jedoch mit Blick durch die Rückkehrerbrille. Jetzt jedoch: Auf in die Ferne. Kaum anderthalb Stunden später spuckt der Himmel über Budapest das Flugzeug auf das Rollfeld. Das Unbekannte ist jetzt zum Greifen nahe. Mit dem Öffnen der Flugzeugtür schlägt uns eisige, klare Kälte entgegen. Es riecht nach Kerosin und Winter.

Episode 3: Noch völlig orientierungsblind sitzen wir in der Budapester U-Bahn, die uns direkt in die Innenstadt bringt. Fremd die Namen der Stationen, fremd das Gesprochene um uns herum, die plüschige Hotelatmosphäre noch nicht ganz abgeschüttelt. Alles muss erst vertraut werden. Die richtige Station nicht zu verpassen, erfordert ungeteilte Aufmerksamkeit. Schließlich: Andrassy ut, der Prachtboulevard Budapests. An jeder Fassade die Herrlichkeit der vergangenen Jahrzehnte. Blind immer noch, folgen wir dem Strom der Menschen. Irgendwo dort unten muss die Donau sein. Und über ihr – majestätisch thronend – die Altstadt mit Burg und Fischerbastei. Sie will erobert werden. Meter für Meter ringen wir der Hängebrücke über die Donau – dem Wahrzeichen der Stadt – gegen den eisig-klaren Sturm ab. Der Aufstieg auf den Burgberg macht warm. Immer wieder lugt das pittoreske Ensemble wie ein verstecktes Kunstwerk hinter Bäumen und Häusern hervor. Und dann, plötzlich, sind wir mitten drin. Und blicken hinab auf das Häusermeer, das uns eben noch umgeben hat, wie auf ein illuminiertes Stillleben. Gänsehaut von so viel Schönheit.

Episode 4: Die Seele einer Stadt liegt nicht auf der Hauptstraße. Kreuz und quer dem Netz aus Nebenstraßen folgen. Nur so findet man die Juwelen. Still und unscheinbar neben den großen Sehenswürdigkeiten. Der nachdenkliche Platz abseits vom Boulevard. Die Leuchtreklame, die nicht mehr scheint. Der verlassene Kinderzirkus im Park. Das Orchesterkonzert auf dem Hinterhof der Musikhochschule. Der einsame serbisch-orthodoxe Friedhof. Das winzige Dichtercafé hinter der Markthalle. Nach 48 Stunden Budapest haben wir uns Budapest vertrauter gemacht. Die Orientierung in der Stadt. Den Klang der Namen. Die Sprache um uns herum. Das plüschig-altmodische Hotel.

Episode 5: Klar und kalt scheint die Wintersonne auf unseren letzten Tag. Die Atmosphäre vom traurigen Sonntag über der Stadt. Nur auf der Burg tummeln sich die Touristen. Russische Sprachfetzen an jeder Ecke. Die Boulevards sind nur für die Tauben da. Und für die Pfützen, in denen sich die eitel-herrschaftlichen Hausfassaden spiegeln. An einem solchen Nachmittag gingen frühere Generationen für gewöhnlich aus, zum Sonntagskaffee. Wir tun es ihnen nach, elegant, im feinen Kaffeehaus Astoria. Fast sind wir die einzigen Gäste. Ein letztes Mal heimischen Apfelstrudel, später Rotwein vom Balaton. Der Sonne gelingt es bis zum späten Nachmittag nicht, die Melancholie aus Budapest zu vertreiben. Ein letzter Spaziergang an der Donau. Die blaue Stunde, die die Stadt in ein warmes Orange taucht. Wir sitzen ganz still auf einer Bank und schauen auf das Schauspiel, das ganz sicher allein für uns veranstaltet wird.

bisher 2 Kommentare 04. Januar 2007

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