In die Berge nach Toggenburg
13.September 2010

Vom Bodensee fahren wir in die Schweizer Alpen. Nach nur 90 Minuten stehen wir mitten im Alpenzeller Käseland. Die Uhren, sie gehen hier langsamer. Anfahrtsskizze heißt hier “Wegbeschrieb”. Straßennamen gibt es nicht. Nach dem Wäldchen links abbiegen. Am Dorflädle vorbei. Vor dem Berg rechts. Unsere Bleibe liegt zwischen Wiesen und Feldern. Der Tagesablauf wird hier vom Vieh und vom Sonnenstand bestimmt. Und genau das ist es, was wir in Toggenburg gesucht hatten.
Uns zieht die Sonne raus aus den Federn. In die Berge, über Wiesen, Felder. Das Glockenkonzert ist allgegenwärtig. Wie Instrumente eines Orchesters sind die Kuhglocken einer Herde auf einander abgestimmt. An Almen und unzähligen Kuhherden vorbei. Kaum eine Menschenseele ist auf den Wanderwegen zu sehen. Picknick vor Weltkulisse. Ist das Leben hier in der Höhe nicht wunderbar? Wer hat eigentlich Städte erfunden?
Die Legende beantwortet unsere Fragen. Sie besagt, dass einst ein einsamer Riese am Säntis wohnte und sich ganz schrecklich langweilte. Jahrhundertelang erspähte er sehnsüchtig in weiter Ferne das geschäftige Treiben der Menschen am fernen Ufer des Bodensees. Und er beneidete seine Nachbarn, die Bodensee-Riesen, um dieses Vergnügen. Bis ihm schließlich die Idee kam, sich zu seinen Füßen eine eigene kleine Stadt zu errichten. So wäre er nicht länger einsam. Doch da seine Hände viel zu grob waren, um die kleinen Häuser, Möbel, Straßen und Ställe für die Menschen zu errichten, bat er die Heinzelmännlein aus dem Nachbartal um Hilfe. Und die Zwerge bastelten aus Leibeskräften drauf los. In einem großen Sack wollte er alles nach Hause transportieren, als er jedoch unterwegs bei einem Schritt über die Berggipfel mit dem Sack an einer Felskante hängen blieb. Durch das Loch wirbelten wie Schneeflocken die Häuslein, Straßen und Ställe durcheinander und verteilten sich über das gesamte Tal. Und da der erschrockene Riese sah, wie hübsch sich nach und nach alles in die Landschaft einfügte, verwarf er den ursprünglichen Plan auf eine eigene Stadt und beobachtete fortan das emsige Treiben der Talbewohner zu seinen Füßen. Nun war er nicht länger einsam und sitzt wohl noch heute am Säntis und schaut zufrieden auf sein Toggenburg.
Links zum Text:
Toggenburg
Guter Wegbeschrieb unserer Wanderungen
Artikel gespeichert unter: Im Ausland,Landpartien

















bisher 1 Kommentar Eigenen Kommentar schreiben
1. mathias | 02.Dezember 2010 at 13:33
Ich würde momentan auch gern die Welt durch die Augen des Riesen vom Säntis schauen…
Herrlich verschneite Wiesen, meterlange Eiszapfen an den Hüttchen und Heuschobern, und einsame Skitourengänger…
Wieder ein sehr schöner Post von Euch beiden. Ich denke auch so gern an die Zeit am Bodensee zurück!
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