Erinnerung an die Provence

Deutschland im August. Es regnet aus Kannen. Der Sommer mit seiner Gluthitze scheint schon vorbei. Oder nur kurz im Urlaub? Urlaub? Urlaub! Die Gedanken kreisen, sich erinnernd, um den Frühlingsurlaub in der Provence:Provence ist gleich blühender Rhododendron rings um idyllische, kreisrunde Dörfer. Dörfer eng an die Berge geschmiegt. Geschmiegt auch die grau-gemusterten Katzen auf den Fensterbänken, sich aufheizend in der warmen Frühlingssonne. Frühlingssonne warm auf der Haut. Haut, die sich leicht gerötet unter der Sonnencreme versteckt. Versteckt unter saftig grünen Blättern Orangen und Zitronen, die duften wie Parfum. Parfum-Abgase oberhalb der Fabriken in und um die Parfum-Metropole Grasse mitten in den provencalischen Bergen. Berge, die wir besteigen, bestaunen, umfahren, erleben: jeden Tag zeigen sie ein anderes Gesicht. Gesichter der Bewohner, zeugend von frischer Luft, Boule-Partien auf der Place de la Poste, gesundem Essen, dem abendlichen Gläschen Rotwein. Rotwein aus der Provence umspült das köstliche Mahl im mit Michelin-Sternen ausgezeichneten Dorf-Restaurant.
Restaurant mal anders: Picknick mit Fougasse, Oliven, Baguette, frischem Käse und Blick über das Maurengebirge bis hin zum Mittelmeer. Mittelmeer mal türkis, mal tiefblau. Tiefblau auch der Himmel, unter dessen Weite die Natur sich innerhalb weniger Tage von wintergrau zu frühlingsbunt verwandelt. Verwandelt sind auch die Häuser und Gärten nach wenigen Tagen, überall wird gebaut, geputzt, gewerkelt. Gewerkelt für die Saisongäste, die bald kommen und ab Ostern Ferienwohnungen und Hotels in Beschlag nehmen. In Beschlag genommen werden auch unsere Sinnesorgane beim Einkaufen. Einkaufen ist hier eine Kultur: Einkaufskultur auf Französisch heißt, Fleisch beim Metzger, Brot beim Bäcker und Gemüse vom Markt zu kaufen. Kaufen im Supermarkt ist zwar ebenfalls beliebt. Beliebter aber, verehrt gar, sind Boulanger (Bäcker) und Boucher (Fleischer), angesiedelt im Zentrum eines jeden noch so kleinen Dorfes. Dörfer der Provence, das sind Vence, La Garde-Freinet, Plan-de-la-Tour, Tourettes. Tourettes, gemeint ist hier nicht das Syndrom, sondern eines der schönsten Wehrdörfer in der Nähe von St. Tropez. St. Tropez, bekanntester Ort an der Cote d’Azur. Cote d’Azur, herrliche Sandstrände gibt es hier kaum, kilometerlange Küstenstraßen, endlose 70er-Jahre-Kulissen und Ferienobjekte mit dem Charme von Parkhäusern sind die Realität. Realität sind auch die Zeichen grenzüberschreitenden Gesundheitswahnes in französischen Geschäften: grüner Tee serviert in beinahe jedem Caffee, Vollkornbrot als fester Bestandteil einer jeden Bäckerei-Verkaufstheke, alkoholfreier Wein in schier unüberschaubaren Weinregalen. Weinregale, grellgelbe Mimosenblüte und Zikadenrufe – unverwechselbar Provence.
bisher 3 Kommentare 03. August 2010

























