Tagesarchiv für den 26. April 2009

Anekdoten aus Sanssouci


Obst aus Sanssouci: Der Legende nach war es die Vorliebe von Friedrich dem Großen für frisches Obst, weshalb er die Gartenanlage gleichzeitig als Zier- und Nutzgarten nutzen ließ. Der Reiseführer verkündet: Kulturgeschichtlich und stilistisch wird der Park von Ost nach West immer jünger – und immer grüner statt bunter. Alle Gewächshausanlagen von Sanssouci zusammengenommen, ergaben laut Gartendirektion 12.412 Fuß, das sind 3895 Meter. Als der König in Ostpreußen und im Felde war, wurde es zentrale Aufgabe der Gartenverwaltung, ihm frisches Obst und Gemüse aus eigener Produktion nachzusenden.
Nicht gut Kirschen essen: Friedrich der Große hatte eines Tages seiner Frau einige Kirschen geschickt, die in den Gewächshäusern von Sanssouci frühzeitig gereift waren. Sorgfältig hatte er die Kirschen in nasses Moos verpacken lassen, damit sie während des langen Transports frisch hielten. In einem Begleitbrief bat er die Königin, sich die erste Frucht seines Gartens prächtig munden zu lassen und dabei seiner kräftig zu gedenken. Sein Page jedoch, ein gewisser Herr von Seydlitz, bekam aufgrund der Hitze und Eile unterwegs einen solchen Durst, dass er der Versuchung, eine Kirsche zu naschen, nicht widerstehen konnte. Dabei kam noch eine zweite und dritte Kirsche zum Vorschein, auch die aß er auf. Niemand wird in einem so großen Paket das Fehlen von drei Kirschen bemerken, muss er wohl bei sich gedacht haben. Er verschloss das Moospaket sorgfältig zu und überbrachte sie der Königin. Diese war nicht wenig erstaunt und überrascht, als sie das Paket öffnete und nichts als Moos vorfand. Denn der König hatte nicht mehr als die drei ersten Kirschen des Jahres darin verpackt. Als sie den launigen Brief des Königs las, in dem er sie bat, sich die Früchte des Gartens gut schmecken zu lassen, dachte sie an einen üblen Scherz ihres Gatten. Sie setzte sich daher an den Schreibtisch und schrieb: “Lieber Friedrich! Ich danke dir herzlich für deine liebenswürdige Aufmerksamkeit, die du mir durch Übersendung der jungen Gartenfrucht bereiten wolltest. Aber leider ist es mir nicht möglich, sie zu genießen. Sie mag wohl für Gänse schmackhaft sein, aber nicht für die Gemahlin des großen Königs.”
Flöten für eine warme Mahlzeit: Mit dem Plan, in Sanssouci eine Gemäldegalerie anzulegen, trat Friedrich der Große eine Kunstreise nach Holland an. Um ungestört zu bleiben, reiste er inkognito und gab sich als Flötenspieler aus. Man erzählt sich, dass er in einem Gasthof in Amsterdam eine kostbare Pastete bestellen wollte. Die Wirtin jedoch traute dem fahrenden Gast nicht und fragte, ob er denn auch im Stande sei, das teure Gericht zu bezahlen. Friedrich entgegnete, dass er mit seinem Flötenspiel in einer Stunde wohl mehr verdienen könne, als zehn Pasteten wert seien. Die Wirtin gab sich damit nicht zufrieden und forderte ein Hörbeispiel ein. Ganz hingerissen von der Schönheit seines Vortrages, soll sie ausgerufen haben: “Gut, mein Herr; Sie können gar schön pfeifen und wohl einige Batzen verdienen: ich werd’ Ihnen die Pastete machen!”
Kampf gegen Windmühlen: Die Legende besagt, dass sich Friedrich der Große durch die Windmühle, die seitlich neben seinem Schloss stand, gestört fühlte und das Gelände gern für seinen Garten genutzt hätte. Also hatte er dem Müller Johann Wilhelm Grävenitz den Kauf der Mühle angeboten. Der Müller jedoch lehnte ab, weshalb der König gedroht haben soll: “Weiß Er denn nicht, dass ich Ihm kraft meiner königlichen Macht die Mühle wegnehmen kann, ohne auch nur einen Groschen dafür zu bezahlen?” Worauf der Müller geantwortet habe: “Gewiss, Euer Majestät, das könnten Euer Majestät wohl tun, wenn es – mit Verlaub gesagt – nicht das Kammergericht in Berlin gäbe.” Worauf Friedrich der Große klein beigab. Noch heute erheben sich die Flügel der Mühle über das königliche Schloss, die Unterwerfung des Königs unter das Gesetz bezeugend.
Aus Funk und Fernsehen: Die Spaziergängerin von Sans-Souci ist der letzte Film mit Romy Schneider. Darin geht es um die Erschießung des paraguayische Botschafters. Der Täter erzählt in Rückblenden die Hintergründe der Tat. Romy Schneider konnte der deutschen Version ihre Stimme nicht mehr verleihen, da sie bereits verstorben war.
Parkverkehrsordnung: Die neue Parkordnung von Sanssouci sorgte im Jahr 2008 für viel Furore. Im Mittelpunkt stand dabei der Modeschöpfer und Potsdamer Einwohner Wolfgang Joop, der an einem Nachmittag mit dem Fahrrad und zwei unangeleinten Hunden im Park Sanssouci unterwegs gewesen war – beides laut Parkordnung nicht erlaubt. Ein Parkwächter hatte Joop angehalten, es kam zur Auseinandersetzung, die mit gegenseitigen Anzeigen endete. Der Fall liegt nunmehr bei der Potsdamer Staatsanwaltschaft.

 

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