Monatsarchiv für April, 2009

Anekdoten aus Sanssouci


Obst aus Sanssouci: Der Legende nach war es die Vorliebe von Friedrich dem Großen für frisches Obst, weshalb er die Gartenanlage gleichzeitig als Zier- und Nutzgarten nutzen ließ. Der Reiseführer verkündet: Kulturgeschichtlich und stilistisch wird der Park von Ost nach West immer jünger – und immer grüner statt bunter. Alle Gewächshausanlagen von Sanssouci zusammengenommen, ergaben laut Gartendirektion 12.412 Fuß, das sind 3895 Meter. Als der König in Ostpreußen und im Felde war, wurde es zentrale Aufgabe der Gartenverwaltung, ihm frisches Obst und Gemüse aus eigener Produktion nachzusenden.
Nicht gut Kirschen essen: Friedrich der Große hatte eines Tages seiner Frau einige Kirschen geschickt, die in den Gewächshäusern von Sanssouci frühzeitig gereift waren. Sorgfältig hatte er die Kirschen in nasses Moos verpacken lassen, damit sie während des langen Transports frisch hielten. In einem Begleitbrief bat er die Königin, sich die erste Frucht seines Gartens prächtig munden zu lassen und dabei seiner kräftig zu gedenken. Sein Page jedoch, ein gewisser Herr von Seydlitz, bekam aufgrund der Hitze und Eile unterwegs einen solchen Durst, dass er der Versuchung, eine Kirsche zu naschen, nicht widerstehen konnte. Dabei kam noch eine zweite und dritte Kirsche zum Vorschein, auch die aß er auf. Niemand wird in einem so großen Paket das Fehlen von drei Kirschen bemerken, muss er wohl bei sich gedacht haben. Er verschloss das Moospaket sorgfältig zu und überbrachte sie der Königin. Diese war nicht wenig erstaunt und überrascht, als sie das Paket öffnete und nichts als Moos vorfand. Denn der König hatte nicht mehr als die drei ersten Kirschen des Jahres darin verpackt. Als sie den launigen Brief des Königs las, in dem er sie bat, sich die Früchte des Gartens gut schmecken zu lassen, dachte sie an einen üblen Scherz ihres Gatten. Sie setzte sich daher an den Schreibtisch und schrieb: “Lieber Friedrich! Ich danke dir herzlich für deine liebenswürdige Aufmerksamkeit, die du mir durch Übersendung der jungen Gartenfrucht bereiten wolltest. Aber leider ist es mir nicht möglich, sie zu genießen. Sie mag wohl für Gänse schmackhaft sein, aber nicht für die Gemahlin des großen Königs.”
Flöten für eine warme Mahlzeit: Mit dem Plan, in Sanssouci eine Gemäldegalerie anzulegen, trat Friedrich der Große eine Kunstreise nach Holland an. Um ungestört zu bleiben, reiste er inkognito und gab sich als Flötenspieler aus. Man erzählt sich, dass er in einem Gasthof in Amsterdam eine kostbare Pastete bestellen wollte. Die Wirtin jedoch traute dem fahrenden Gast nicht und fragte, ob er denn auch im Stande sei, das teure Gericht zu bezahlen. Friedrich entgegnete, dass er mit seinem Flötenspiel in einer Stunde wohl mehr verdienen könne, als zehn Pasteten wert seien. Die Wirtin gab sich damit nicht zufrieden und forderte ein Hörbeispiel ein. Ganz hingerissen von der Schönheit seines Vortrages, soll sie ausgerufen haben: “Gut, mein Herr; Sie können gar schön pfeifen und wohl einige Batzen verdienen: ich werd’ Ihnen die Pastete machen!”
Kampf gegen Windmühlen: Die Legende besagt, dass sich Friedrich der Große durch die Windmühle, die seitlich neben seinem Schloss stand, gestört fühlte und das Gelände gern für seinen Garten genutzt hätte. Also hatte er dem Müller Johann Wilhelm Grävenitz den Kauf der Mühle angeboten. Der Müller jedoch lehnte ab, weshalb der König gedroht haben soll: “Weiß Er denn nicht, dass ich Ihm kraft meiner königlichen Macht die Mühle wegnehmen kann, ohne auch nur einen Groschen dafür zu bezahlen?” Worauf der Müller geantwortet habe: “Gewiss, Euer Majestät, das könnten Euer Majestät wohl tun, wenn es – mit Verlaub gesagt – nicht das Kammergericht in Berlin gäbe.” Worauf Friedrich der Große klein beigab. Noch heute erheben sich die Flügel der Mühle über das königliche Schloss, die Unterwerfung des Königs unter das Gesetz bezeugend.
Aus Funk und Fernsehen: Die Spaziergängerin von Sans-Souci ist der letzte Film mit Romy Schneider. Darin geht es um die Erschießung des paraguayische Botschafters. Der Täter erzählt in Rückblenden die Hintergründe der Tat. Romy Schneider konnte der deutschen Version ihre Stimme nicht mehr verleihen, da sie bereits verstorben war.
Parkverkehrsordnung: Die neue Parkordnung von Sanssouci sorgte im Jahr 2008 für viel Furore. Im Mittelpunkt stand dabei der Modeschöpfer und Potsdamer Einwohner Wolfgang Joop, der an einem Nachmittag mit dem Fahrrad und zwei unangeleinten Hunden im Park Sanssouci unterwegs gewesen war – beides laut Parkordnung nicht erlaubt. Ein Parkwächter hatte Joop angehalten, es kam zur Auseinandersetzung, die mit gegenseitigen Anzeigen endete. Der Fall liegt nunmehr bei der Potsdamer Staatsanwaltschaft.

 

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bisher 2 Kommentare 26. April 2009

Wie fühlt sich ein Halbmarathon an?


Am Vortag: Herzklopfen stellt sich ein. Und wie immer der Respekt vor der Entfernung. Vor allem aber Vorfreude und Kribbeln. Gemeinsames Trainieren ist Programm. Eine Stunde am Tag, in der man sich dem Druck des Alltags entzieht. Das schafft Sicherheit und Zuversicht. Das Pastaessen am Vorabend sorgt für gefüllte Kohlehydratspeicher. Ich trinke Wasser und Tee, bis ich das Gefühl habe zu platzen. Es wird sowieso eine kurze Nacht.
Am Morgen: Herausforderung angenommen: Die Zielzeit von 2008 will geknackt werden. Die Signale des Körpers stehen auf grün. Diesmal ist mein Fanclub gleich von Anfang an dabei, 2008 hatten wir uns vor lauter Aufregung verpasst. Dieses Jahr sind die Treffpunkte bombensicher vereinbart. Leichtes Eintraben in Richtung Startmeile. Das Rote Rathaus rückt in Sicht. Die frische Morgenluft lässt zieht wohlige Vorfreude im Bauch zusammen.
Am Start: Diesmal drückt die Blase schon vor dem Lauf. Letztes Jahr war der Tiergarten mein einziger Ausweg. Darauf verzichte ich, auch wenn die Dixi-Klo-Schlange doppelt so lang ist. Immerhin bietet die Warterei Gelegenheit für Umfeldstudien. Nicht alle sind so gut gelaunt, wie das Frühlingswetter. So mancher Läufer muss große Anstrengungen auf sich nehmen, den Ansprüchen von gestressten Partnern gerecht zu werden. Beispieldialog. Sie: Man könne sich die Arbeitsschritte wie Kleiderabgabe oder Warmlaufen ja aufteilen, anstatt gemeinsam an der Schlange zu warten. Er: Ja, klar, ich geh schon mal. Sie, genervt und schrill: Aber eigentlich wäre es doch schöner, wenn man die Herausforderungen gemeinsam meistert. Er: Auch gut, dann warte ich eben. Sie, noch schriller: Aber das muss natürlich auch nicht sein. Wenn du unbedingt schon starten willst, stehe ich natürlich nicht im Wege. Er, ruhig: Deine Ideen sind wie immer brillant, Schatz, genauso machen wir es… Die Welt kann so ungerecht sein. Der Kleiderwagen ist Treffpunkt für die Laufgruppen. Sachen schnell verstaut, dann geht es los. Immer nach vorne. Gänsehaut ob der Massen: Rund 30.000 Läufer sind versammelt. Wer auch immer mich in Startblock A eingeordnet hat, sei gesegnet. Kein Drängeln, kein Quetschen. Dann geht ein Ruck durch die Massen.
Die ersten zehn Kilometer: Vorneweg die Kenianer. Die werden schon ins Ziel einlaufen, wenn wir gerade Kilometer zehn passieren. Egal. Für die erste Hälfte der Wegstrecke genehmigen wir uns gemächliches Traben mit verschiedenen Gesprächsthemen. Wir strahlen und könnten die Welt umarmen. Neulich habe ich beim Laufpoeten Achim Achilles gelesen: Halbmarathon sei Pop, Marathon Klassik und Ultramarathon Punk. Für Punk war ich schon immer zu angepasst. Klassik indes rückt jedes Jahr ein kleines Stück näher in den Bereich des Machbaren. Noch kriecht die Morgenkälte unter die Kleidung. Rasch naht der erste Fanclub-Treffpunkt an Kilometer DREI. Fotos, Küsschen. Weiter geht’s. Allmählich steigt die Körpertemperatur. Am Kilometer zehn leichte Enttäuschung: Eine Stunde, drei Minuten. Nur drei Minuten schneller als im Vorjahr. Die Zwei-Stunden-Marke ist damit nicht zu knacken. Naja, dann eben nächstes Jahr.
Während der zweiten Hälfte: Das Tempo des Feldes zieht an. Wir ziehen mit. Wenigstens in die Nähe der zwei Stunden kommen! Ab jetzt lasse ich die Wasserstellen aus. Mein Magen reagiert empfindlich auf die viele Luft, die ich mit jedem Wasserbecher herunterwürge. Vertrautes Beobachten des Körpers, verlässlich wie ich ihn während der rund 1000 Laufkilometer im vergangenen Jahr kennengelernt habe. Gänsehaut im Takt der Musik-Combos. Wir erwidern die Jubelrufe des Publikums. Ganz langsam verebben die Gesprächsthemen. Ich übe mich in der Kunst der perfekten Ablenkung des eigenen Gehirns. Ich studiere Laufstile der Mitläufer und deren Accessoires. Ich registriere die Jubelmienen des Publikums. Den Charme der durchlaufenen Kieze. Ich lese in die Höhe gereckte Schilder oder T-Shirt-Aufschriften. Und fange langsam an, die auf Balkonen und in Cafés sitzenden Randgäste zu beneiden. Gleich kommt Kilometer 17 und damit noch einmal der Fanclub. Dieses Wissen ist Gold wert und lässt Meter um Meter verstreichen. Ich weiß, danach kommt das schwerste Stück:
Auf den letzten Metern zum Ziel: Die Gesichter des Publikums verwischen ineinander. Der Power-Riegel, den mir der Fanclub rasch zugeschoben hatte, liegt wie ein Stein im Magen. Und wird von Minute zu Minute schwerer. Magen und Gehirn müssen dringend voneinander abgekoppelt werden. Ich konzentriere mich wieder auf meine Laufkollegen. Aber niemand nimmt Notiz vom anderen. Alle wollen nur noch ankommen. Das Tempo legt noch einmal zu. Warum muss man die letzten Kilometer auf ein so trostloses Stück Straße verlegen? Vielleicht, damit man sich noch mehr auf den Zieleinlauf freut? Ich denke an den Fanclub, der jetzt eine Abkürzung zum Ziel nehmen kann. Ich freue mich auf die heiße Badewanne danach. Oder auf ein kühles Bier. Und dann ist es fast geschafft. Die letzte Kurve. Die letzten 300 Meter. Und plötzlich: Die Beine werden ganz leicht und man könnte noch ewig weiterlaufen.

 

vor dem startspitzengruppesuperspitzeschnellimmer mehr..mitläuferfanfanclub

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Der Bodensee


Hat er gute Laune, lässt er den Besucher großzügig einen Blick auf sein malerisches Hinterland werfen, präsentiert stolz die umliegenden Bergketten und gegenüberliegenden Landschaften. Im Sommer teilt er großzügig seinen ganzen Besitz mit Tausenden von Seglern und Schwimmern.
Im Winter lockt er Spaziergänger und Wanderer in Scharen zu sich ans Ufer und lässt sie sein Wasser umrunden. Und immer erzählt er dabei Geschichten. Jeden Tag mit noch nie gesehenen Bildern und unbekannten Farben. So freigiebig er bei guter Laune, so knauserig ist er bei Trauer oder Wut. Gnadenlos verstellt er dann sein gütiges Gesicht und verhüllt alles Schöne, Bunte und Wohlgeformte. Obendrein legt er einen dichten Nebel auf die Schultern der Neugierigen. An solchen Tagen lässt er nur wenige an sich heran. Die engsten Anwohner gehören dazu, ebenso wie Enten und Angler, Läufer, Hunde und deren Besitzer. Ein paar Tage verharrt er im Grollen. Er hadert leise und behäbig oder zürnt stürmisch und grimmig. Und menschengleich strahlt er tags darauf wieder mit voller Kraft, als könne er kein Wässerchen trüben. Der Bodensee.

 

KonstanzKüstennebelKonstanzer SkylineBrückenblickAusgebrannt

bisher 1 Kommentar 01. April 2009


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