Es riecht nach Frühling.

Heute liegt er zum ersten Mal in der Luft, der Geruch nach Frühling. Ein Fest, dieser Moment. Jahr für Jahr verankert er sich aufs Neue wohlig-orange in der Erinnerung. Der Frühlingsgeruch – es gibt ihn, genauso, wie es einen eigenen Sommer-, Herbst- und Wintergeruch gibt. Jede Jahreszeit hat ihren spezifischen Duft. Es sind nur Nuancen. Aber die machen den Unterschied. Man erkennt sie sofort: Im Sommer sind es frisches Gras, trockene Straßen oder die Spuren von Sonnencreme, die die Luft bestimmen. Der Duft von trockenen Kiefernnadeln. Oder von Meerwasser. Das ist Sommer. Und weckt Kindheitserinnerungen an die ersten Sommertage, an denen die Mutter endlich Sommerkleid und Kniestrümpfe erlaubte. Im Herbst dagegen: Der modrige Geruf von nassem Laub. Feuchte Straßen und Wege, die nach Sprühregen riechen. Oder nach Boten des ersten Frosts in kalter beißiger Luft. Und manchmal riecht der Herbst golden, nach klarem, kaltem Himmel, dem Vorboten des Winters. Heute jedenfalls riecht es nach Frühling. Nach vorsichtigen, ersten Sonnenstrahlen. Nach kaltfrischer Luft. Nach feuchtem Waldboden. Die letzten Pfützen noch gefroren. Raureif, der das hohe, braune Gras verziert. Nichts hat uns in der Stadt gehalten. Draußen, in Brandenburg, kann man schon am Ufer des Sacrower Sees sitzen. Aufs Wasser schauen. Den Kindern beim Fußball zusehen. Die Vögel zwitschern hören. Die Sonne scheint ins Gesicht. Vorsichtig warm. Vorfreude auf den Geruch des Sommers.
bisher 1 Kommentar 18. Februar 2007

